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Liverpool
Altsozialist Corbyn hat die Labour-Basis hinter sich

Liverpool. Man kann nicht behaupten, dass das Ergebnis eine Überraschung darstellt. Jeremy Corbyn, der vor Jahresfrist zum Chef der britischen Labour Party gewählt worden war, musste im Sommer um den Parteivorsitz kämpfen. Am Samstag, zum Auftakt des Labour-Parteitages in Liverpool, wurde der Sieger der Urwahl verkündet: Jeremy Corbyn. Der 67-Jährige hat seinen Stimmanteil sogar leicht auf knapp 62 Prozent vergrößern können. Kein Zweifel, die Basis liebt den Altsozialisten heiß und innig.

Das kann man nicht von Corbyns parlamentarischen Kollegen behaupten: Rund 80 Prozent der Labour-Abgeordneten hatten ihm nach dem Brexit-Votum das Misstrauen ausgesprochen. "Lasst uns reinen Tisch machen", beschwor Corbyn in seiner Siegesrede, "und lasst uns gemeinsam als Partei arbeiten." Es sieht nicht danach aus, dass der Appell gehört werden wird.

Damit ist die Szene gesetzt für den viertägigen Parteitag im englischen Norden. Eigentlich könnte Labour mehr als zufrieden sein: Hunderttausende neuer Mitglieder hat Corbyn über die vergangenen 18 Monate angezogen, mittlerweile ist Labour mit rund einer halben Million Genossen die größte politische Partei Europas geworden. Die Basis ist hochmotiviert. Auf Corbyns Kundgebungen ist eine Art Starkult um den Vegetarier, Nichtraucher und Antialkoholiker zu beobachten.

So stark die Partei angewachsen ist, so sehr ist sie nach links gedriftet und hat Unterstützung beim Wahlvolk verloren. Die Aussichten, dereinst einmal wieder die Regierungsverantwortung übernehmen zu können, stehen schlechter denn je. Meinungsumfragen sehen Labour um mehr als zehn Prozentpunkte hinter den Konservativen.

(witt)
 
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