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San
Amerika rätselt: War es ein Terroranschlag?

Die schwersten Terroranschläge
Die schwersten Terroranschläge FOTO: AFP
San. Noch fehlt jeder Hinweis auf das Motiv des Paares, das in Kalifornien mindestens 14 Menschen tötete. Von Frank Herrmann

Bernardino Syed Rizwan Farook soll vor zwei Jahren nach Saudi-Arabien gereist und mit einer Lebenspartnerin zurückgekehrt sein, einer Frau, die er in Online-Foren kennengelernt hatte. Vor sechs Monaten kam eine Tochter zur Welt. Das Paar, sagt ein Arbeitskollege, schien den amerikanischen Traum gelebt zu haben, was prosaischer eigentlich nur heißt, dass es ein unauffälliges Leben führte, bescheidenen Wohlstand mit Eigenheim und Garten anstrebend. In der Stadtverwaltung von San Bernardino, in der Farook als Hygiene-Inspektor arbeitete, kannte man ihn als gläubigen, keineswegs aber fanatischen Muslim. Am Mittwoch haben Syed Rizwan Farook, 28, und Tashfeen Malik, seine 27-jährige Ehefrau, mindestens 14 Menschen getötet und mindestens 17 verletzt, bevor sie selber bei einem Feuergefecht mit Polizisten ums Leben kamen.

Seitdem beschäftigt die Amerikaner die Frage, ob es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. Die Ermittler des FBI lassen vorläufig alles offen: Weder bestätigen sie die These, noch wollen sie sie ausschließen. Ungewöhnlich ist, dass ein Mann und eine Frau das Verbrechen gemeinsam begingen. Bei ähnlichen Schießereien waren in aller Regel Männer die Täter, oft sogenannte einsame Wölfe, nicht organisiert, auf eigene Faust handelnd. Terror in Kalifornien? Eindeutige Antworten konnte auch am Tag danach niemand geben.

"Wir haben zurzeit noch kein Motiv", sagte Jarrod Burguan, der Polizeichef von San Bernardino. Vielleicht, spekuliert der kalifornische Kongressabgeordnete Adam Schiff, handelte es sich um eine Kombination von Motiven, bei der sowohl Streit am Arbeitsplatz als auch Terrorismus eine Rolle spielten.

Unstrittig ist, dass Farook und Malik am Mittwoch gegen elf Uhr Ortszeit in einem Konferenzzentrum des Inland Regional Center das Feuer eröffneten, einer Organisation, die sich um Behinderte kümmert. Mitarbeiter der Kommunalverwaltung, bei der Farook beschäftigt war, hatten sich dort zu einer Weihnachtsfeier versammelt. Nach Schilderung Patrick Baccaris, des Büronachbarn des Todesschützen, feierte Farook zunächst mit, verließ den Saal aber, bevor man sich zu einem Gruppenfoto aufstellte. Er sei wütend hinausgerannt. Bald darauf kehrte er mit Tashfeen Malik zurück: Beide trugen Masken, beide kugelsichere Westen, beide Kampfanzüge mit Tarn-Muster. Nach Angaben der Polizei waren sie mit Gewehren und halbautomatischen Pistolen bewaffnet. In einem schwarzen Geländewagen, in dem ihnen zunächst die Flucht gelang, wurde ein Sprengsatz gefunden. Rund drei Kilometer vom Tatort entfernt kam es zu einem Feuergefecht. Farook und Malik kamen dabei ums Leben. In der Wohnung der Täter fanden die Ermittler zwölf Rohrbomben und mehr als 4500 Schuss Munition für Sturmgewehre, Pistolen und langläufige Waffen.

Der muslimische Hintergrund in ihren Biografien ist noch kein Beleg dafür, dass es sich um ein Attentat islamistischer Terroristen handelte. Andererseits war die kleine, kaum bewachte Kongresshalle der Inbegriff jener "weichen Ziele", bei denen ein Terrortrupp zunächst kaum auf Widerstand stößt. "Die Information, die wir haben, ist, dass sie vorbereitet kamen. Als wären sie auf einer Mission", sagte Polizeichef Burguan über das Duo.

Quelle: RP
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