Das waren noch Zeiten: Edmund Stoiber, CSU, Bayern - alles irgendwie eins, untrennbar verbunden. Eine Partei als Lebensgefühl, als Heimat. Doch seit dem Abgang Stoibers hat dieser Mythos arg gelitten. Die Pannen häufen sich.
Gut, los ging's eingentlich schon unter Stoibers Herrschaft. Durch Gabriele Pauli, Landrätin aus Fürth, geriet Stoiber in eine Bespitzelungsaffäre, musste sich den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit gefallen lassen. Schließlich forderte sie wegen seiner schlechten Umfragewerte eine Mitgliederbefragung zur Spitzenkandidatur bei den Landtagswahlen. Am 1. Januar 2007 erklärte Stoiber den Verzicht auf alle politischen Ämter. Die CSU verlor ihren einst unumschränkten Herrscher.
In den letzten Tagen seiner Amtszeit als bayerischer Ministerpräsident im September 2007 verkündete Stoiber dann, beim Transrapid sei der "endgültige Durchbruch geschafft", der Weg sei "frei für den Baubeginn im Sommer 2008". Und niemand werde "diesen Schritt rückgängig machen."
Inzwischen ist die Welt schlauer, seine beiden Nachfolger Beckstein und Huber sowie die Industriebosse machten den Schritt rückgängig. Die Kosten explodierten plötzlich von1,85 Milliarden Euro auf 3,4 Milliarden. Das wollte/konnte niemand bezahlen. Opposition und Transrapidgegner überschütteten die CSU mit Häme.
Milliarden-Pleite bei der BayernLB: Plötzlich musste Ministerpräsident Beckstein einräumen, dass er Belastungen durch die Finanzkrise in Höhe von vier Milliarden Euro für möglich hält. Zuvor war lediglich von 1,9 Milliarden die Rede gewesen. Dann auch noch die Gerüchte, die Landesbank wolle die Belastungen durch einen Trick loswerden: Angeblich plant sie die Gründung einer neuen Gesellschaft, die ihr rund 20 Milliarden Euro an riskanten Wertpapieren abnehmen soll. Der Vorteil wäre, dass in ihrer Bilanz keine weiteren Wertberichtigungen anfielen.
Wahl-Pleite: Die CSU hat den ersten Stimmungstest nach der Ära Stoiber verloren. Bei den Kommunalwahlen in Bayern erteilten die Wähler den Christsozialen in den meisten Großstädten eine Abfuhr. CSU-Chef Erwin Huber spricht trotzig von einem zufriedenstellenden Wahlergebnis. Ministerpräsident Günther Beckstein räumte teilweise "bittere" Resultate ein. Die SPD beschwört bereits den Anfang vom Ende der CSU-Herrschaft.
Kurzzeitig brüstet sich Bayern mit dem strengsten Rauchverbot in Deutschland - bis zu der Schlappe bei den Kommunalwahlen. Auf einmal spricht man davon, "Spielräume" zu erörtern, um den Vollzug des Rauchverbots "bürgernäher" zu gestalten. SPD-Fraktionschef Franz Maget betonte, Korrekturen am Rauchverbot wären eine "Blamage" für die CSU. Grünen-Fraktionschefin Magarete Bause sagte: "Es ist schon ein Ausdruck besonderer Hilflosigkeit, wenn die CSU meint, mit ein bisschen weniger Rauchverbot würde der berechtigte Zorn der Wähler verrauchen."
Thema Turbo-Abitur. Gerade die Bayern sind stolz auf ihren höchsten Schulabschluss, der bundesweit als der wohl anspruchsvollste aber auch angesehenste gilt. Wegen der Verkürzung des Abis auf acht Jahre aber auf Inhalte und damit Qualität zu verzichten, das kam für die CSU nicht in Frage. Doch nachdem man in Hessen gesehen hat, dass Bildungspolitik durchaus wahlentscheidend sein kann und 2009 in Bayern gewählt wird, kam die Kehrtwende: Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) will die Lehrpläne in Fächern wie Physik, Mathe, Griechisch und Geschichte entrümpeln.