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Persönlich
Angela Merkel . . . war gerne Frauenministerin

Im Bonner Politikbetrieb wurde sie lange belächelt: die junge Ostdeutsche Angela Merkel, die es 1991 von der zweiten Pressesprecherin des ersten demokratisch gewählten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière ins Bundeskabinett von Helmut Kohl schaffte. Dort durfte sie im damals nicht sonderlich angesehenen Bundesministerium für Jugend und Frauen ihre ersten politischen Schritte tun. Heute ist sie wieder da - als Gastrednerin zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Frauenministeriums, das als zentraler Bestandteil des Ressorts für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht mehr wegzudenken ist. Von Martin Kessler

Damals waren die Zeiten freilich andere. Gestandene Unions-Minister wie Carl-Dieter Spranger (Entwicklungshilfe) und Manfred Kanther (Innen) nahmen sie schon mal väterlich in den Arm, ihre Vorhaben wie ein fortschrittliches Gleichberechtigungsgesetz ließen sie jedoch ins Leere laufen. "Wissen Sie, Mädel", meinte recht gönnerhaft der CSU-Politiker Spranger, "wenn ich Sie nicht so nett fände, würde ich ja für diesen Stuss gar nicht stimmen." Ähnlich klang es bei den anderen Männern in der Unionsspitze.

Doch die spätere Kanzlerin lernte schnell, in der neuen Umgebung mit Widrigkeiten umzugehen und ihre politischen Ziele resolut durchzusetzen. Die Zeit hat Merkel deshalb in guter Erinnerung, denn sie nutzte das Querschnittsressort, um sich nicht nur in Frauen- und Jugendverbänden, sondern auch in der Wirtschaft, bei Gewerkschaften, in Fraktion und Partei bekannt zu machen. Als sie einmal bei einer Manager-Umfrage als überflüssig und wenig wirksam abqualifiziert wurde, entgegnete sie trocken: "Als Physikerin weiß ich, wie manche Statistiken zustande kommen."

Den Streit um das Gleichberechtigungsgesetz hat sie übrigens gewonnen. Es wurde 1994 vom Bundestag verabschiedet - gegen den Willen mancher einflussreicher Männer in der Union.

Quelle: RP
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