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Paris
"Anschläge auf Paris und gesamte Menschheit"

Paris. Der Terror ist zurück in Paris. Politiker aus der ganzen Welt sagten den Franzosen ihre Hilfe zu. Bereits am Morgen hatte ein anonymer Anrufer mit einem Anschlag auf das Hotel der DFB-Elf gedroht. Das Freundschaftsspiel im Stade de France fand trotzdem statt.

Eigentlich sollte es ein fröhliches Fußballfest in der französischen Hauptstadt werden. Deutschland gegen Frankreich im Stade de France. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) war extra angereist, um neben Frankreichs Präsident Francois Hollande das Freundschaftsspiel zu verfolgen. Doch dann waren noch während des Spiels im Stadion laute Explosionen zu hören.

Wenig später war klar: Der Terror ist zurück in Paris. Bundestrainer Joachim Löw reagierte mit großer Bestürzung und Betroffenheit auf die Ereignisse: "Wir sind alle erschüttert und schockiert", sagte Löw. "Für mich tritt der Sport oder die Gegentore in den Hintergrund." Teammanager Oliver Bierhoff sprach von "großer Unsicherheit, großer Angst und großer Betroffenheit" auch in der deutschen Kabine.

Auch Außenminister Steinmeier zeigte sich entsetzt über die Attacken. Er sei erschüttert über die Ereignisse, twitterte das Auswärtige Amt. Steinmeier wurde mit den Worten zitiert: "Wir stehen an der Seite Frankreichs". Ob Steinmeier aus Sicherheitsgründen vorzeitig aus dem Stadion gebracht worden war, blieb zunächst offen.

Hollande begab sich noch während der laufenden Partie ins Innenministerium. Er verfolge dort gemeinsam mit Ressortchef Bernard Cazeneuve die Lage, teilte der Élyséepalast ebenfalls via Kurznachrichtendienst Twitter mit. Wenig später wandte sich Hollande auch per Fernsehansprache an die Öffentlichkeit und verhängte den Ausnahmezustand. Das Militär solle verstärkt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, sie gehe davon aus, dass es sich bei den Schießereien in Paris mit Dutzenden Toten um Anschläge handele. "Ich bin tief erschüttert von den Nachrichten und Bildern, die uns aus Paris erreichen", sagte die Kanzlerin. Ihre Gedanken seien "bei den Opfern der offensichtlich terroristischen Angriffe, ihren Angehörigen sowie allen Menschen in Paris". Die Bundesregierung stehe in Kontakt mit der französischen Regierung und habe ihr die Anteilnahme und Solidarität der Menschen in Deutschland übermittelt.

Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die Anschläge. Es handele sich nicht nur um Anschläge auf Paris oder das französische Volk, sondern auf die gesamte Menschheit, sagte Obama. Es sei zu früh, um darüber zu spekulieren, wer für die Attacken verantwortlich sei. Obama bot die Hilfe Amerikas bei der Bekämpfung des Terrors an. "Wir werden tun, was immer auch getan werden muss, um diese Terroristen zur Verantwortung zu ziehen", sagte der US-Präsident.

Auch der britische Premierminister David Cameron bot Hilfe an. Großbritannien werde tun, "was immer wir tun können, um zu helfen", sagte der britische Politiker. Er sei in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen.

In einem völlig neuen Licht stehen nun die Ereignisse vom gestrigen Vormittag: Bereits vor dem Länderspiel-Klassiker hatte es eine anonyme Bombendrohung gegeben. Wenige Stunden vor dem Anpfiff mussten der Bundestrainer und seine von Kapitän Bastian Schweinsteiger angeführten 24 Akteure das luxuriöse Teamhotel im Stadtteil Bois-de-Boulogne nach einem Drohanruf vorübergehend räumen - bis die Pariser Polizei nach dem Einsatz von Spürhunden wie erhofft Entwarnung geben konnte.

"Das war ein großer Schreck", gestand Teammanager oliver Bierhoff, als er vor dem Luxus-Hotel die aufregenden Geschehnisse schilderte: "Die Hoteldirektion hat uns informiert. Wir haben die Behörden informiert. Es ist alles sehr professionell verlaufen mit der französischen Polizei."

Nach gut zwei Stunden durften erste Mitglieder des DFB-Trosses das Quartier wieder betreten. Eine Spielabsage seitens des DFB wurde nicht erwogen. "Es war wichtig, alles sachlich zu kontrollieren. Wir haben großes Vertrauen in die Polizei", sagte Bierhoff. Diese hatte rasch vermeldet, dass es "keinen Grund zur Panik" gebe. Derartige Drohanrufe gebe es in Paris häufig.

Quelle: RP
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