Nahost-Gipfel in Camp David gescheitert: Arafat will Araber-Sondergipfel
zuletzt aktualisiert: 26.07.2000 - 09:37Camp David/Gaza (dpa). Nach dem Scheitern des Nahost-Gipfels haben beide Seiten ihren Friedenswillen bekräftigt, sich zugleich aber gegenseitig Schuldvorwürfe gemacht. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat will das arabische Lager nun zu einem Sondergipfel laden und auf eine einheitliche Haltung gegenüber Israel einschwören. Das gab Arafats Stabschef Tajeb Abdel Rahim am Dienstagabend in Gaza bekannt.
In einer gemeinsamen Erklärung mit US-Präsident Clinton hatten Arafat und Israels Regierungschef Ehud Barak die Bereitschaft erklärt, ihre Bemühungen um eine Friedensvereinbarung "so bald wie möglich" fortzusetzen. Ein Sprecher Baraks sagte, dass die USA in Kürze einen Beauftragten in den Nahen Osten schicken wollten, um die Möglichkeiten für eine Wiederaufnahme der Gespräche zu sondieren.
Arafats Stabchef Rahim erklärte, dass der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern durch das Scheitern von Camp David nicht beendet sei. Die Palästinenser seien weder an einer Eskalation der Spannungen noch an einer Explosion der Gewalt in der Region interessiert.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Bereits kurz nach dem Gipfel begannen zwischen den Verhandlungsparteien die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Auf einer Pressekonferenz in Thurmont bei Camp David machte Barak Palästinenser-Präsident Arafat für das Scheitern verantwortlich. Dessen Haltung in der Jerusalem-Frage habe eine mögliche Einigung verhindert. Rahim warf Barak seinerseits vor, die Alleinschuld am Scheitern der Konferenz zu tragen. Arafat wollte nach Angaben Rahims bereits auf dem Rückflug mit Ägyptens Präsident Husni Mubarak telefonisch die Lage nach dem Zusammenbruch des Friedensgipfels besprechen.
Die Gespräche in Camp David waren am Dienstag Vormittag (Ortszeit) ohne Vereinbarung zu Ende gegangen. US-Präsident Bill Clinton erklärte, beide Seiten seien zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage gewesen, eine Übereinkunft zu erzielen. Clinton sprach aber von Fortschritten in allen Kernpunkten, darunter auch in der Jerusalem- Frage. In manchen Bereichen seien Israelis und Palästinenser sogar "bedeutend" voran gekommen.
Clinton würdigte vor Journalisten im Weißen Haus das Engagement Baraks und Arafats. Barak bescheinigte er größere Kompromissbereitschaft in Hauptpunkten, darunter auch in der Frage des künftigen Status von Jerusalem. Der israelische Ministerpräsident habe Kühnheit und Vision gezeigt. Aber auch Arafat habe bewiesen, dass er am "Pfad zum Frieden" festhalten wolle.
Wie es hieß, waren die Gespräche zusammengebrochen, nachdem sich Israelis und Palästinenser weiterhin nicht über den künftigen Status von Jerusalem einigen konnten. In palästinensischen Kreisen hieß es, Arafat sei wütend über Baraks anhaltende Weigerung gewesen, den Palästinensern Souveränität über die Altstadt von Jerusalem zu gewähren.
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