Nur noch 35 Prozent unterstützen ihren Präsidenten: Arafats Popularität auf Tiefpunkt
zuletzt aktualisiert: 21.05.2002 - 14:30Ramallah (rpo). Bilder von jubelnden Menschen rund um die Person Jassir Arafat sind an der Tagesordnung. Aber: Immer mehr Palästinenser sind einer Umfrage zufolge mit ihrem Präsidenten unzufrieden.
Der Grund dafür ist in erster Linie Arafats Versäumnis, Reformen in der palästinensischen Autonomiebehörde einzuleiten, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Erhebung des Palästinensischen Zentrums für Politik- und Umfrageforschung hervorgeht. Trotz sinkender Sympathiewerte für Arafat gibt es aber keinen anderen palästinensischen Politiker, der einen größeren Zuspruch findet.
Nur rund 35 Prozent der Befragten erklärten ihre Unterstützung für Arafat - im Juli 2000, vor Beginn der zweiten Intifada, waren es noch 46 Prozent. Damit ist Arafats Popularität auf einen Tiefpunkt gesunken, wie Chalil Schikaki, einer der Autoren der Umfrage, sagte. An zweiter Stelle der populärsten Palästinenser steht mit 19 Prozent Marwan Barghuti, der Chef von Arafats Fatah-Bewegung im Westjordanland und sein möglicher Nachfolger. Er war im April von der israelischen Armee in Ramallah festgenommen worden.
Der interne Druck auf Arafat, Reformen durchzuführen, sei enorm, sagte Schikaki mit Blick auf die Umfrageergebnisse. Etwa 95 Prozent der Befragten etwa würden die Entlassung von Kabinettsministern begrüßen, die unter Korruptionsverdacht stehen. An der Umfrage nahmen 1.317 Erwachsene teil. Die Fehlerquote wurde mit drei Prozentpunkten angegeben.
Spendenaufruf der UN
Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) rief am Dienstag zu Spenden für die hungernde palästinensische Bevölkerung auf. "Die ärmsten Palästinenser können sich nicht einmal mehr die wenigen Lebensmittel leisten, die es noch auf dem Markt gibt", sagte WFP-Sprecherin Christiane Berthiaume in Genf. Die bis zum Jahresende notwendige Finanzhilfe wurde auf insgesamt 18 Millionen Dollar (19,6 Millionen Euro) beziffert.
Berthiaume verwies auf eine Studie der Weltbank, wonach die Hälfte der drei Millionen Palästinenser unter der Armutsgrenze lebt. Diese liegt bei zwei Dollar pro Tag und Person. Die palästinensische Autonomiebehörde habe keine Mittel mehr, um den Armen zu helfen, sagte Berthiaume. Das WFP machte unter anderem die israelische Blockade für die Situation in den Autonomiegebieten verantwortlich. So hätten viele ihre Arbeitsplätze in Israel verloren, und Bauern könnten wegen der Straßensperren nicht auf ihre Felder gelangen.
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