Mehr Druck auf Arbeitslose: Arbeitsämter: Zusätzliche Vermittler, höhere Sperrzeiten
zuletzt aktualisiert: 21.08.2001 - 08:28Düsseldorf (RP). Die Aussichten für Konjunktur und Arbeitsmarkt werden immer düsterer. Nun macht die Bundesregierung zunehmend Druck auf die Arbeitslosen. Im kommenden Jahr sollen die Arbeitsämter, so will es Bundesarbeitsminister Riester in das geplante Job-Aktiv-Gesetz schreiben, 3000 Arbeitsvermittler zusätzlich erhalten.
Zum einen sollen sie zusätzliche Stellen bei den Betrieben akquirieren und Arbeitslosen mit besonderen Problemen bei der Jobsuche helfen. Die neuen Kräfte sollen aber auch helfen, Drückeberger unter den Arbeitslosen ausfindig zu machen. "Die neuen Vermittler sollen den Arbeitslosen stärker auf die Finger schauen", sagt Riesters Sprecher Klaus Vater. Man brauche gerichtsfeste Begründungen, um Sperrzeiten konsequenter durchsetzen zu können. Zur Zeit haben die Arbeitsämter häufig Probleme, die Sperrung des Arbeitslosengeldes durchzusetzen. Immer wieder ziehen Arbeitslose vor das Sozialgericht und gewinnen dort gegen das Arbeitsamt, weil die Behörde nicht nachweisen kann, dass der Arbeitslose tatsächlich nicht arbeiten will.
Woher sollen die neuen Mitarbeiter kommen? 1000 von ihnen sollen von anderen Stellen in den Arbeitsämtern abgezogen werden. 2000 Kräfte will die Bundesanstalt für Arbeit (BA) neu einstellen: 1000 davon in den Arbeitsämtern, 1000 bei privaten Vermittlern, Bildungsträgern, Sozialämtern. Nach BA-Angaben schlagen die neuen Kräfte mit rund 240 Millionen Mark pro Jahr zu Buche - Geld, das die Arbeitsämter bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik einsparen müssen.
Dass die Ämter mehr Vermittler brauchen, darin sind sich Arbeitgeber und Gewerkschaft einig. Gegenwärtig sind nicht einmal zehn Prozent der 90000 BA-Beschäftigten als Vermittler tätig. Doch ob der Schnellschuss - zum 1. Januar sollen die neuen Kräfte anfangen - trifft, bleibt abzuwarten. Schließlich suchen die Ämter nun Fachkräfte mit Berufserfahrung, die auch in Betrieben häufig fehlen. Außerdem sind die neuen Stellen auf drei Jahre befristet. Dennoch gab sich Werner Marquis, Pressesprecher des Landesarbeitsamtes NRW, zuversichtlich, dass die Arbeitsämter unter ihren Arbeitslosen geeignete Kräfte finden. Sie sollen in einem Crash-Kurs für die neue Aufgabe qualifiziert werden.
In NRW bekommen die Arbeitslosen schon jetzt die schärfere Gangart der Arbeitsverwaltung zu spüren. Von Januar bis Juni strichen die Ämter 5218 Arbeitslosen zeitweilig die Unterstützung, weil sie eine zumutbare Arbeit abgelehnt hatten. Damit ist die Zahl der Sperrzeiten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 24 Prozent angestiegen. Bundesweit haben diese Sperrzeiten um 10,7 Prozent zugelegt. NRW war in der Vergangenheit allerdings auch im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Bayern durch besonders geringe Sperrzeiten aufgefallen. Eine gezielte Aufholkampagne habe es nicht gegeben, so Werner Marquis. Doch habe die Diskussion um vermeintlich Arbeitsunwillige dazu beigetragen, dass Arbeitgeber und Vermittler "sensibler" auf Arbeitslose reagiert hätten, die ein Angebot abgelehnt hätten.
Von ANTJE HÖNING
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