Alle Politik-Artikel vom 1. Juli 2017

Bayer auf Schlingerkurs

Der erfolgsverwöhnte Bayer-Konzern erfährt mächtig Gegenwind. Im April hat er seine Prognose angehoben, nun muss er seine Ziele wieder kassieren. Solch hektischen Schlingerkurs kennt man von Start-ups, aber nicht von soliden Traditionsfirmen. Zunächst wollte Bayer die Monsanto-Übernahme im ersten Quartal bei der EU anmelden, nun wurde es der letzte Tag im zweiten Quartal. Für alles gibt es Gründe, doch es zeigt sich auch, dass der Megadeal kein Spaziergang ist. Zu bekannten Problemen - Monsanto gilt als Konzern mit dem schlechtesten Image der Welt - kommen neue hinzu: Den Kauf der Merck-Arzneien für zehn Milliarden hat Bayer weder verdaut, noch ist er erfolgreich - schon soll der Konzern einen größeren Deal stemmen. Der frühere Chef Dekkers wird gewusst haben, warum er die Finger von Monsanto ließ. Finanzchef Dietsch wird auch wissen, warum er 2018 frühzeitig geht. Dass Staaten Monsantos Verkaufshit Glyphosat immer kritischer sehen, macht es nicht leichter. Ein Scheitern an Kartellfragen würde Bayer Milliarden kosten. Jetzt ist der Konzern zum Erfolg verdammt. mehr

Spd-Party

Hendricks und der Heiratsantrag

Barbara Hendricks wollte offenbar nicht mehr warten. Kurz nach dem Beschluss zur Ehe für alle und noch auf der SPD-Party vor dem Brandenburger Tor machte die Bundesumweltministerin aus Kleve ihrer Partnerin öffentlich einen Heiratsantrag. Seit dem 22. Oktober 2010 seien sie verpartnert, sagte Hendricks, "dann könnten wir die ersten sieben Jahre rumbringen und dann am 22. Oktober 2017 heiraten." Vorher passe es ohnehin nicht - wegen des Wahlkampfs. mehr

Berlin

Industrie ruft EU zum Kampf gegen Protektionismus auf

Vor dem G 20-Gipfel kommende Woche hat der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, die Europäer aufgefordert, gegen Abschottungstendenzen in anderen Erdteilen aufzutreten. "Die EU muss geschlossen gegen den Protektionismus Druck machen", sagte Kempf unserer Zeitung. "Nur als Einheit kann Europa auf Augenhöhe mit den USA, aber auch mit China und Indien agieren", sagte Kempf und mahnte: "In der Handels- und Steuerpolitik sind Beschlüsse aller G 20-Staaten möglich - und dringend erforderlich." mehr

Washington

Trumps Wüten gegen Moderatorin löst Empörung aus

Mit einem ungehobelten Angriff per Twitter auf ein TV-Moderatoren-Paar hat US-Präsident Donald Trump parteiübergreifend Empörung ausgelöst. Er habe gehört, dass Mika Brzezinski und Joe Scarborough in ihrer Sendung "Morning Joe" schlecht über ihn reden, hatte Trump getwittert. Die Show habe miese Quoten. "Warum war dann die Verrückte Mika mit dem niedrigen IQ zusammen mit Psycho Joe um Silvester drei Abende in Folge nach Mar-a-Lago und wollte unbedingt zu mir? Sie blutete heftig wegen eines Facelifts. Ich habe Nein gesagt!" mehr

Nachruf

Simone Veil 1927-2017

Im Jahr 2009 sagte Simone Veil noch: "Ich glaube, dass ich an den Holocaust denken werde, wenn ich sterbe." Ihr Leben lang behielt die Französin mit den dunklen Haaren und blauen Augen die Nummer 78651 auf dem Arm, die ihr in Auschwitz tätowiert wurde. Die in Nizza geborene Jüdin überlebte das Konzentrationslager mit ihren Schwestern - der Rest der Familie kam ums Leben. "Einige sind durch die unbeschreibliche Katastrophe für immer niedergeschlagen. Die anderen schöpfen daraus eine unglaubliche Energie - Simone Veil gehörte dazu", würdigte der Historiker Serge Klarsfeld die Politikerin, die gestern im Alter von 89 Jahren starb. mehr

Berlin

50 Mal Nein aus der NRW-CDU, zehnmal Ja

Neinstimmen kamen (außer von der fraktionslosen Erika Steinbach) nur von der Union - 225 Abgeordnete von CDU und CSU lehnten die Ehe für alle ab, 75 stimmten zu, vier enthielten sich, fünf waren nicht erschienen. Von den 63 CDU-Abgeordneten aus NRW sagten 50 Nein, zehn Ja. Aus der Region kamen nur zwei Ja-Stimmen: von Uwe Schummer (Viersen, Bild oben) und Sabine Weiss (Wesel). Prominente Unterstützer der Ehe für alle sind zudem Finanzstaatssekretär Jens Spahn (Ahaus. unten) und Ex-NRW-Minister Oliver Wittke (Gelsenkirchen). mehr

Stichwort

Menschliche Werte

Werte dienen Menschen als eine Art innerer Kompass. Er gibt Orientierung, wie man sich in Konflikt- und Entscheidungssituationen verhalten soll. An seinen Werten will sich auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán orientiert haben, als er seine Loyalität zur Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte. Er werde sich nicht an den türkeifeindlichen Äußerungen der EU-Länder beteiligen, selbst wenn das Unannehmlichkeiten mit sich bringe, sagte der rechtskonservative Politiker. mehr