Scharon: "Arafat Feind der freien Welt": Armee rückt in Kalkilja ein
zuletzt aktualisiert: 01.04.2002 - 12:11Ramallah/Jerusalem (rpo). Auch in der Nacht zum Montag hat die israelische Armee ihren Feldzug auf palästinensischem Gebiet fortgeführt. Nach palästinensischen Angaben drangen Dutzende Panzer in die Stadt Kalkilja im Westjordanland ein.
Auch in Ramallah gingen die Kämpfe weiter. Dabei erschossen israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben bis zu 30 Polizisten der Autonomiebehörde. In einer Fernsehansprache machte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon Palästinenserpräsident Jassir Arafat für die Eskalation der Gewalt verantwortlich und nannte ihn einen "Feind Israels und der gesamten freien Welt". Zuvor waren am Sonntag bei neuen palästinensischen Selbstmordanschlägen mindestens 16 Israelis getötet und über 40 verletzt worden.
"Arafat ist ein Hindernis für den Frieden", sagte Scharon in einer Fernsehansprache am Sonntagabend. "Alles, was wir für unsere Bemühungen bekommen haben, war Terrorismus, Terrorismus und nochmals Terrorismus." Arafat sei die entscheidende Person, die hinter dem Terrorismus stehe; er habe diesen zu seinem strategischen Instrument gemacht, sagte Scharon weiter. "Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde ist unser Feind und der Feind der gesamten freien Welt."
30 palästinensische Polizisten "exekutiert"
Nach Angaben des israelischen Rundfunks beschloss des Kabinett am Sonntagabend, die Militäroffensive im Westjordanland auszuweiten. Wenigen Stunden später drangen nach palästinensischen Angaben Dutzende Panzer aus verschiedenen Richtungen in die Stadt Kalkilja im Westjordanland ein. Dabei sei es zu Kämpfen mit bewaffneten Palästinensern gekommen. Augenzeugen berichteten von heftigem Maschinengewehrfeuer. Wie die Korrespondentin der britischen BBC berichtete, übernahm die israelische Armee noch in der Nacht zum Montag die Kontrolle über die Stadt.
Auch am Amtssitz von Arafat in Ramallah gingen die Kämpfe am Sonntagabend weiter. Nach palästinensischen Angaben eröffnete die israelische Armee das Feuer auf ein benachbartes Gebäude, in dem sich palästinensische Polizisten aufhielten. 30 Polizisten seien getötet worden, sagte der palästinensische Sicherheitschef für das Westjordanland, Dschibril Radschub. Er beschuldigte die israelische Armee, grundlos das Feuer eröffnet und die Polizisten "exekutiert" zu haben.
Unterdessen sitzen im belagerten Hauptquartier Arafats mehrere Friedensaktivisten, darunter auch deutsche Staatsbürger, fest. Wie das Büro des palästinensischen Jerusalem-Beauftragten, Sari Nusseiba, der Deutschen Presse-Agentur am frühen Montagmorgen sagte, wollten die Friedensaktivisten das von der israelischen Armee belagerte Gebäude aus Furcht vor einer Festnahme nicht verlassen.
Friedensakitvisten verlangen Einschreiten der Botschaft
Wie Nusseibas Bürochef Dimitri Diliani sagte, forderten die Deutschen in einem Telefongespräch ein Einschreiten der deutschen Botschaft. Sie waren am Sonntag zusammen mit etwa 30 anderen Friedensaktivisten trotz eines Verbots der israelischen Armee bis in das Zimmer vorgedrungen, in dem sich Arafat und seine engsten Vertrauten verschanzt haben. Bei dem Versuch, dies zu verhindern, hatten die israelischen Soldaten nach palästinensischen Angaben auch Warnschüsse abgegeben.
Bei zwei neuen palästinensischen Selbstmordanschlägen waren am Sonntag in Haifa und der jüdischen Siedlung Efrat im Westjordanland mindestens 16 Israelis getötet und über 40 verletzt worden. Zunächst hatte sich ein Mitglied der radikal-islamische Hamas-Bewegung in einem Restaurant in Haifa in die Luft gesprengt und 16 Menschen mit in den Tod gerissen. 37 Personen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Nur drei Stunden später sprengte sich ein palästinensischer Selbstmordattentäter in der jüdischen Siedlung Efrat im Westjordanland in die Luft und verletzte dabei 6 Israelis.
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