Flüchtlingslager umstellt: Armee rückt nach Anschlägen in Tulkarem ein
zuletzt aktualisiert: 21.05.2002 - 10:16Tel Aviv (rpo). Die israelische Armee drang als Reaktion auf die jüngsten Selbstmordanschläge am Montagabend mit Panzern in die palästinensische Stadt Tulkarem ein. Es kam zu Festnahmen. Aber es gab offenbar keine Toten oder Verletzten.
Nach Augenzeugenberichten wurde das Flüchtlingslager der palästinensischen Autonomiestadt umstellt.
Am Sonntag waren bei einem Anschlag auf dem Obst- und Gemüsemarkt der Küstenstadt Netanja drei Israelis und der palästinensische Attentäter getötet sowie etwa 50 Israelis zum Teil schwer verletzt worden. Am Montagmorgen hatte sich bei Megiddo in Nordisrael weiterer ein Attentäter in die Luft gesprengt. Drei Personen erlitten einen Schock. Zu dem Anschlag von Netanja bekannten sich zwei radikale palästinensische Gruppen, die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und die Islamisten-Bewegung Hamas.
Bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag waren israelische Soldaten mit mehreren Panzern in Tulkarem eingedrungen. Die Einheit habe sich jedoch nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen.
Als Konsequenz aus den jüngsten palästinensischen Selbstmordanschlägen will Israel innerhalb von sechs Monaten einen elektronisch gesicherten Grenzzaun zum Westjordanland errichten. Dies kündigte Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser am Montag an.
Ben-Elieser kündigte an, die Armee werde den geplanten 364 Kilometer langen Sicherheitszaun zwischen Israel und den Palästinensern innerhalb eines halben Jahres fertig stellen. Der elektronisch durch moderne Überwachungsgeräte gesicherte Zaun soll palästinensische Anschläge innerhalb Israels verhindern oder zumindest erschweren. Er wird voraussichtlich 220 Million Schekel (knapp 50 Millionen Euro) kosten.
In Israel herrscht seit den jüngsten Anschlägen wieder höchster Terroralarm. Die Polizei rechnet mit einer neuen Welle von Selbstmordattacken. Hamas-Sprecher Abdel Asis Rantisi bekräftigte am Montag, man werde die Anschläge fortsetzen, solange die israelische Besatzung in den Palästinensergebieten andauere.
In der libanesischen Hauptstadt Beirut wurde der Sohn des radikalen Palästinenserführers Ahmed Dschibril, Dschihad Ahmed Dschibril, am Montag bei einem Sprengstoffanschlag getötet. Er kam ums Leben, als er den Zündschlüssel seines weißen Peugeot betätigte.
Der Vater des Toten leitet seit vielen Jahren die radikale Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando (PFLP-GC) mit Sitz in Damaskus. Die PFLP-GC machte in einer Erklärung Israel für den Anschlag verantwortlich und kündigte Vergeltung an. Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser wies jegliche Verbindung zu dem Sprengstoffanschlag zurück. Nach israelischen Medienangaben bekannte sich eine bisher unbekannte anti-syrische Gruppe zu dem Attentat.
Die vor gut einer Woche von Israel abgeschobenen militanten Palästinenser werden an diesem Dienstag auf mehrere EU-Länder verteilt. Nach Angaben der spanischen EU-Ratspräsidentschaft werden 12 der 13 Männer, die aus Bethlehem nach Zypern gebracht wurden, mit einer spanischen Militärmaschine ausgeflogen. Jeweils drei sollen von Spanien und Italien aufgenommen werden. Je zwei würden nach Griechenland und Irland gebracht sowie je einer nach Belgien und Portugal. Die Männer sollen Visa für ihre Gastländer erhalten und diese nicht verlassen dürfen.
Die 13 Palästinenser hatten sich über fünf Wochen lang in der Geburtskirche in Bethlehem verschanzt. Sie wurden am 10. Mai ausgeflogen, nachdem die israelische Armee ihre Belagerung der Geburtskirche beendet hatte.
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