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Russland kündigt Schlussoffensive in Tschetschenien an: Armee will nur noch 50.000 Soldaten einsetzen

zuletzt aktualisiert: 09.02.2000

Moskau (dpa). Die russische Armee will noch in dieser Woche ihre Schlussoffensive im bergigen Süden Tschetscheniens einleiten. Das kündigte Verteidigungsminister Igor Sergejew am Mittwoch in Moskau an. Der für den Feldzug zuständige Kommandeur der Kaukasus-Truppen, General Viktor Kasanzew, ging davon aus, dass sich etwa 7 000 Rebellen im unwegsamen Gebirge im Süden Tschetscheniens verschanzt haben. In der russischen Presse wurden am Mittwoch erstmals seit Beginn des bewaffneten Konflikts im Kaukasus Namenslisten der Gefallenen veröffentlicht.

Auch die Tschetschenen bestätigten auf ihrer Internetseite die russischen Vorbereitungen für einen Großangriff auf Rebellen- Stellungen in den Tälern von Wedeno und am Fluss Argun. Für den letzten Teil des Feldzugs im Kaukasus-Hochgebirge werde Russland nur noch etwa 50 000 Soldaten einsetzen, sagte Vize-Generalstabschef Waleri Manilow dem Fernsehsender ORT. Zeitweise hatte Moskau bis zu 140 000 Mann im Kampf gegen die Rebellen geschickt.

Sergejew kündigte den Beginn der Schlussoffensive im Gebirge Tschetscheniens nach Angaben der Agentur Interfax «in zwei Tagen» (Freitag) an. Zuvor stehe den Einheiten nach der Eroberung von Grosny am vergangenen Wochenende «eine kurze Erholung» sowie Zeit zur Wartung von Waffen und Gerät zu. Danach würden Luftlandetruppen und Marine-Infanterie die in den Bergen verschanzten Rebellen angreifen.

Die Einheiten hätten bereits die entsprechenden Befehle erhalten und ihre Sektoren zugewiesen bekommen, sagte General Kasanzew. «Wir kennen inzwischen die Stützpunkte der Rebellen», zitierte ihn die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass. «Dort werden sie vernichtet - ihr Schicksal ist faktisch schon besiegelt.»

Knapp sechs Monate nach Ausbruch des bewaffneten Konflikts im Kaukasus wurden in Russland erstmals offizielle Verlustlisten mit den Namen gefallener Soldaten veröffentlicht. Die Presse erhielt die Liste direkt von der Kreml-Administration. Die 279 Angehörigen der russischen Armee und von Sondereinheiten des Innenministeriums waren im August und September 1999 bei den Kämpfen in Dagestan ums Leben gekommen, nachdem dort Rebellen aus Tschetschenien eingefallen waren.

In dem danach folgenden Feldzug in Tschetschenien sind bisher nach offizieller Darstellung 1 123 Angehörige der russischen Einheiten getötet worden. Die russische Presse hat den Ministerien wiederholt unterstellt, zu niedrige Verlustziffern zu nennen, um nicht die Unterstützung der Bevölkerung für den Feldzug zu verlieren.

Quelle: RPO Archiv

 
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