London: Motive der Flugzeugentführer ungeklärt: Auch nach 40 Stunden kein Ende in Sicht / 156 Menschen in der Gewalt der Luftpiraten
zuletzt aktualisiert: 08.02.2000London/Islamabad (dpa). In dem Entführungsdrama auf dem Londoner Flughafen Stansted ist auch nach mehr als 40-stündigen Verhandlungen kein Ende abzusehen. Die Entführer des afghanischen Verkehrsflugzeuges hatten am Dienstagnachmittag einen Mann freigelassen, der unter Asthma litt. Seit Landung der Boeing 727 in Stansted am frühen Montagmorgen sind damit neun Geiseln freigekommen. Weitere 156 Menschen, darunter 21 Kindern, befinden sich noch in der Gewalt der Entführer.
Unterdessen hält das Rätselraten über die Motive die Luftpiraten an, die die Maschine auf einem Inlandsflug in Afghanistan gekapert hatten. Die britische Polizei beteuerte, die Entführer hätten bisher keine politischen Forderungen gestellt. "Das mag Ihnen unglaublich erscheinen, aber im Moment konzentrieren wir uns darauf, es den Menschen an Bord so bequem wie möglich zu machen", sagte der Leiter der Polizeiaktion, John Broughton, vor Journalisten.
Er äußerte sich nicht zu Gerüchten, dass die Entführer Asyl in Großbritannien verlangen. Die Verhandlungsatmosphäre wurde als "professionell and recht ruhig" bezeichnet. Die Entführer verhandeln jetzt über eine telefonische Festleitung aus dem Cockpit mit den britischen Sicherheitsexperten und Psychologen.
Eine gewaltsame Befreiung der Geiseln will die britische Regierung nach Presseberichten erst in Erwägung ziehen, wenn die Entführer mit dem Erschießen von Geiseln drohen sollten. Die Maschine ist von bewaffneten Anti-Terroreinheiten umstellt. Auch die Spezialtruppe Special Air Services (SAS) soll nach unbestätigten Berichten vor Ort sein.
Taliban-Führer gegen VerhandlungenTaliban-Führer Mullah Mohammad Omar schloss Verhandlungen weiterhin aus. "Wir werden weder mit den Entführern reden, noch irgendwelche Forderungen akzeptieren", sagte er.
Die Boeing 727 war am Montagmorgen nach einem Irrflug über Usbekistan, Kasachstan und Moskau in London-Stansted gelandet. Unbestätigten Berichten zufolge hatten die vermutlich sechs Entführer zunächst die Freilassung des Taliban-Gegners Ismail Khan verlangt, der seit 1997 in Kandahar in Haft sitzt. Taliban-Führer Omar deutete an, dass der Anführer der letzten in Afghanistan verbliebenen Anti- Taliban-Miliz, Ahmed Schah Massud, hinter der Entführung stecken könnte. Dessen Sprecher bestritt dies.
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