Deutsche und britische Börse können sich zusammenschließen: Aufsichtsrat stimmt Börsen-Fusion zu
zuletzt aktualisiert: 23.05.2000 - 21:38Frankfurt/Main (AP). Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat dem Fusionsvertrag mit der London Stock Exchange am Dienstagabend zugestimmt. Aufsichtsratschef Rolf Breuer teilte mit, die Entscheidung sei ohne Gegenstimme getroffen worden.
Das Gremium war am Nachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetroffen, um den in die Kritik geratenen Vertrag zu beraten. Vor allem die Frage, ob der Finanzplatz Deutschland wegen des geplanten Zusammenschlusses Schaden nehmen könnte, hatte Kritiker auf den Plan gerufen.
Auch der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch hatte sich in einem kritischen 14-Fragen-Katalog an Börsenchef Werner Seifert gewandt. Nach einem Gespräch mit Seifert sagte Posch am Dienstag, er habe "unter Beachtung der börsenaufsichtsrechtlichen Maßgaben keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Fusion".
Posch betonte, Börsenchef Seifert habe erklärt, dass es Ziel der Deutschen Börse und des neuen Gemeinschaftsunternehmens iX sei, den bisher im Neuen Markt konzentrierten Handel in Wachstumswerten als integralen Bestandteil der Frankfurter Wertpapierbörse weiter zu entwickeln. Die Verlagerung des Handels in Standardwerten nach London werde allein von den Emittenten abhängen.
Börsenfusion Frankfurt/London soll 2000 abgeschlossen werden
Die Fusion der Deutsche Börse AG und der Londoner Börse soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Dies kündigte der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer am Dienstagabend in Frankfurt an. Nach Ansicht Breuers, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank ist, wird die neue Superbörse mit dem Namen iX "die führende Börsenorganisation in Europa sein und eine der schlagkräftigsten weltweit". Nach Angaben Breuers wird der Neue Markt in Frankfurt bleiben und auch vom Main aus gemanagt werden.
London Stock Exchange erfreut über "positives Ergebnis"
Die London Stock Exchange (LSE) hat sich erfreut über die Genehmigung der Börsenfusion geäußert. "Wir begrüßen das positive Ergebnis und freuen uns darauf, mit der Deutschen Börse im iX-Projekt zusammenzuarbeiten", sagte ein LSE-Sprecher in London.
Bevor es so weit ist, muss die LSE jedoch noch 75 Prozent ihrer Aktionäre von der Fusion überzeugen. Wie in Frankfurt muss nämlich die Hauptversammlung noch zustimmen. Vor allem kleinere Investmentbanken hatten das Projekt in den vergangenen Wochen kritisiert. Sie befürchten unter anderem, dass ihnen durch die Umstellung auf das Frankfurter Handelssystem hohe Kosten entstehen.
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