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Aus dem Central Valley kommt die Hälfte der US-Obsternte

East Porterville . Es ist der Obst- und Gemüsegarten der Vereinigten Staaten, das Central Valley, das sich von Nord nach Süd über 600 Kilometer durch Kalifornien zieht. Fast die Hälfte aller Früchte und Nüsse, die in den USA angebaut werden, kommen von hier - und vier Fünftel der weltweiten Mandelproduktion.

In den 1930er Jahren, im Weißen Haus regierte Franklin D. Roosevelt und bekämpfte die Arbeitslosigkeit der Großen Depression mit einem gewaltigen Infrastrukturprogramm, ist ein Netz von Bewässerungskanälen, die den niederschlagsreichen Norden mit dem regenarmen Süden verbinden, massiv ausgebaut worden. Der Schnee, der im Winter in der Sierra Nevada fällt, ist so etwas wie der Garant des Systems. Nur hat es in den Bergen zuletzt so wenig geschneit wie lange nicht. Der meteorologische Ausnahmezustand stellt Gewissheiten infrage, an denen im Agrar-Business bisher selten gerüttelt wurde.

Der Obstbauer Geoff Galloway klagt über nach einem archaischen System festgelegte Wasserquoten, die nicht Schritt hielten mit der Realität. Rings um East Porterville begann der Boom erst, als in der Ära Roosevelt am San Joaquin River, dem zweitgrößten Fluss Kaliforniens, ein Damm gebaut und das aufgestaute Wasser über den Friant-Kern-Kanal nach Süden geleitet wurde. Bei den Quoten gilt: Ältere Anbaugebiete, ältere Ansprüche.

Newcomer, deren Pflanzungen auf relativ spät erschlossenem Land liegen, gehen in Zeiten des Mangels leer aus. Also werden immer tiefere Brunnen gebohrt, "bei einem Pistazienbauern in der Nähe ging es tausend Fuß nach unten", erzählt Galloway in einer Mischung aus Bewunderung und Entsetzen. Mancherorts ist der Boden abgesackt, weil Rekordmengen an Grundwasser heraufgepumpt werden. Unkontrolliert. Experten vergleichen es mit einem Schwamm, aus dessen Poren das Wasser herausgedrückt wird. Ob das Valley radikal umdenken muss?

So weit will Galloway nicht gehen, er zeigt auf schwarze Schläuche zwischen seinen Bäumen ("Tröpfchenbewässerung!"), er spricht von Vernunft und Innovation - und einem Silberstreif am Horizont. El Nino, das große Klimaphänomen, welches das Wetter auf drei Vierteln des Globus', ganz besonders aber im Pazifikraum bestimmt, könnte die Erlösung bringen. Wenn die Experten Recht behalten, könnte die zur Weihnachtszeit auftretende Veränderung der Strömungen im Pazifik es in Kalifornien im kommenden Winter stark regnen beziehungsweise schneien lassen.

Quelle: RP
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