Damaskus: 17 Tote bei Autobombenanschlag
zuletzt aktualisiert: 27.09.2008 - 15:22Damaskus (RPO). In Damaskus ist eine Autobombe explodiert. 17 Menschen kamen dabei ums Leben, 14 weitere wurden verletzt. Es handelt sich um den schwersten Anschlag in Sysrien seit mehr als 20 Jahren.
Ein mit 200 Kilogramm Sprengstoff beladenes Auto explodierte in der Nähe eines schiitischen Schreins im Süden der Hauptstadt Damaskus. Syriens Innenminister Bassam Abdel Madschid sprach von einem terroristischen Akt. Alle Opfer seien Zivilisten gewesen. Das genaue Ziel der Attentäter war unklar; in der Nähe befand sich neben dem Schrein auch ein Kontrollposten von Sicherheitskräften. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.
"Es ist klar, dass es sich um einen terroristische Akt handelt, der auf eine belebte Gegend abzielte", sagte Innenminister Abdel Madschid dem syrischen Fernsehen. Seinen Angaben zufolge wurde eine Anti-Terror-Einheit mit der Fahndung nach den Attentätern betraut. Das syrische Fernsehen zeigte Bilder von beschädigten Autos, Fensterscheiben und Wohnhäusern am Anschlagsort. "Die Kraft der Explosion hat mich aus dem Bett geworfen. Ich habe gedacht, es sei ein Erdbeben", sagte ein Anwohner. Wären die Schulen und Verwaltungen am Samstag nicht geschlossen gewesen, hätte es noch mehr Opfer gegeben, sagte er.
In der Nähe des Anschlagsortes befindert sich das Grab von Sajeda Seinab, einer Enkelin des Propheten Mohammed. Der Schrein ist ein beliebtes Ziel schiitischer Pilger aus dem Iran, dem Libanon und dem Irak. Laut Sana bringt der dortige Pilgertourismus jährlich rund 40 Millionen Dollar (rund 27 Millionen Euro) ein.
Bei dem Anschlag am Samstag handelte es sich um den folgenschwersten in Syrien seit den 80er Jahren. 1981 waren bei einem Autobombenanschlag in Damaskus 175 Menschen getötet worden; fünf Jahre später starben bei einer Anschlagsserie in mehreren Dörfern im Norden Syriens 144 Menschen. Im Februar dieses Jahres war in Damaskus der Hisbollah-Anführer Imad Mugnieh durch eine Autobombe getötet worden. Die schiitische Miliz machte Israel für den Anschlag verantwortlich, das die Vorwürfe jedoch zurückwies. Im August bestätigten die syrischen Behörden die Ermordung eines ranghohen Armeegenerals, der nach Angaben arabischer Medien enge Verbindungen zur Hisbollah hatte.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Land derzeit den Ratsvorsitz der EU innehat, verurteilte den "barbarischen" Anschlag. Er sicherte Syrien die "volle Solidarität Frankreichs im Kampf gegen den Terrorismus" zu, hieß es in einer Erklärung aus dem Elysée-Palast. Sarkozy war Anfang September als erster westlicher Staatschef seit fünf Jahren nach Syrien gereist. Syrien wird von den USA der Unterstützung des Terrorismus und der Hisbollah-Miliz im Libanon beschuldigt. Russlands Staatschef Dmitri Medwedew bezeichnete das Attentat in einem Telegramm als "grausam und unmenschlich", wie der Kreml auf seiner Internetseite mitteilte.
US-Außenministerin Condoleezza Rice traf sich trotz der angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern in New York mit ihrem syrischen Kollegen Walid el Muallim, wie Sana am Samstag berichtete. Themen waren demnach der Irak, der Libanon und der Friedensprozess in Nahost. Das Treffen sei auf Wunsch von Rice zustande gekommen. Die beiden Minister waren zuletzt vor knapp einem Jahr zusammengekommen.
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