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G-8-Gipfel, Panorama, AFP 2009-0710
  Foto: AFP, AFP
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G-8-Gipfel: 20 Milliarden Dollar gegen den Hunger

zuletzt aktualisiert: 10.07.2009 - 14:41

L'Aquila (RPO). Die führenden Industriestaaten ändern ihre Entwicklungshilfe-Strategie: Mit einem 20 Milliarden Dollar schweren Hilfsprogramm wollen sie in den kommenden drei Jahren Bauern in armen Ländern unterstützen und deren Produktivität stärken.

Die Initiative wurde am Freitag zum Abschluss des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila auf den Weg gebracht. Das Geld soll über drei Jahre hinweg ausgezahlt werden. Allerdings handelt es sich nur zum Teil um neue Zusagen der Geberländer. Entwicklungshilfeorganisationen kritisierten zudem, das Geld reiche nicht aus.

Der 20-Milliarden-Dollar-Plan ist ein Kurswechsel der Industriestaaten im Kampf gegen den Hunger: Künftig soll vor allem auf nachhaltigere Hilfe zur Selbsthilfe gesetzt werden, statt direkt Lebensmittel zu liefern und damit lokalen Erzeugern zu schaden. Direkte Lebensmittelhilfe soll demnach weitgehend Notfällen vorbehalten sein. Der von den G-8 ausgearbeitete Plan soll auch von 19 weiteren Staaten unterstützt werden, darunter auch afrikanische Staaten.

"Es ist ein totales, willkommenes und ermutigendes Umschalten", sagte der Generalsekretär des Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), Jacques Diouf der Nachrichtenagentur AP. "Man löst das Hungerproblem, indem man den Bauern, die in diesen armen Ländern geben, die nötigen Werkzeuge an die Hand gibt, damit sie Nahrungsmittel produzieren können."

"Dringender Bedarf für entschiedenes Handeln"

"Es gibt einen dringenden Bedarf für entschiedenes Handeln, um die Menschheit von Hunger und Armut zu befreien", heißt es im Entwurf des Anschlussstatements. Ziel sei eine "wesentliche Stärkung" der Hilfe für Landwirtschaft und Nahrungsmittelsicherheit.

Vor allem der drastische Preisanstieg des vergangenen Jahres, der in einigen Ländern zu teils blutigen Aufständen führte, hatte das Thema Nahrungsmittelsicherheit auf die internationale Agenda gebracht.

Laut dem Entwurf, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt, sollen die 20 Milliarden Dollar (14,4 Milliarden Euro) über drei Jahre hinweg ausgezahlt werden. Dabei sollen drei Milliarden Euro aus den USA und zwei Milliarden aus Frankreich stammen, wie Delegierte sagten. Allerdings handelt es sich nur bei einem Teil dieses Geldes um neue Hilfszusagen. Auch haben bisher nicht alle Staaten ihre vor Jahren gegebenen Entwicklungshilfezusagen eingehalten.

"Rechenspiele helfen Unterernährten nicht weiter"

Die Hilfsorganisation Oxfam begrüßte die Zusage, forderte aber weit größere Hilfen. Unklar sei, wieviel von den 20 Milliarden Dollar tatsächlich neues Geld sei, und was in bereits existierenden Budgets nur umgewidmet werde, schränkte Oxfam ein. "Bloße Rechenspiele der G8 helfen den unterernährten Menschen nicht weiter", kritisierte Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

So habe die deutsche Regierung weder 2008 noch in diesem Jahr zusätzliche Gelder für Maßnahmen gegen die Nahrungsmittelkrise bereitgestellt, sondern habe dafür lediglich ihren Entwicklungshilfehaushalt umgeschichtet.

Zudem reichten die nun von den G-8 versprochenen 20 Milliarden bei weitem nicht aus: Angesichts des "dramatischen Ausmaßes der Hungerkrise" seien mindestens 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr zusätzlich nötig, sagte Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale, "denn die Zahl der weltweit hungernden Menschen ist allein im Jahr 2008 um 100 Millionen gestiegen".

Zur Bekämpfung der Ursachen des weltweiten Hungers müssten mehr Mittel gezielt für die Förderung von Kleinbauern und Frauen sowie in agrar-ökologische Anbauverfahren - mit verbessertem Bodenschutz und weitestgehendem Verzicht auf Düngemittel und Pestizide - in den armen Ländern investiert werden, forderte die Oxfam-Expertin.

Höchste Priorität müsse die Unterstützung der einheimischen Lebensmittelproduktion eingeräumt werden. Die Gebernationen und internationalen Finanzinstitutionen seien aber "weiterhin auf die Liberalisierung der Märkte und auf technologische Lösungen fixiert".

Quelle: AP

 
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