Gewalt in Syrien: 28 Tote bei Explosionen in Aleppo
zuletzt aktualisiert: 10.02.2012 - 21:29Beirut (RPO). Die Gewalt in Syrien hat mit zwei schweren Explosionen erstmals eine Stadt erfasst, deren Bevölkerung in den seit elf Monaten andauernden Protesten überwiegend loyal zu Präsident Baschar Assad gestanden hat. Nach Angaben syrischer Behörden sprengten sich in Aleppo zwei Selbstmordattentäter mit ihren Autos in die Luft und rissen 28 Menschen in den Tod.
Staatsmedien bezeichneten dies als Beweis für die Darstellung der Regierung in Damaskus, sie sei mit dem Feldzug von Terroristen und nicht mit einem Volksaufstand konfrontiert. Die Opposition warf der Regierung dagegen vor, sie versuche die Bewegung in Misskredit zu bringen, während Soldaten in Homs eine der wichtigsten Hochburgen der Regimegegner stürmten.
Die seit einer Woche Tagen andauernde Belagerung von Homs wurde verschärft: Panzer rückten in einen Stadtteil vor, Soldaten gingen in Inschaat von Haus zu Haus und nahmen Aktivisten zufolge Personen fest, wie die Organisation Syrisches Observatorium für Menschenrechte mitteilte. "Sie strafen die Bewohner", sagte der Leiter der Organisation, Rami Abdul-Rahman. Inschaat liegt in der Nähe von Baba Amr, einem Stadtteil, der seit Monaten unter Kontrolle der Regimegegner steht.
Die Behörden in der Wirtschaftsmetropole Aleppo im Norden des Landes teilten mit, zwei Selbstmordattentäter in Autos hätten Anschläge auf Gebäude der Streitkräfte und der Polizei verübt. 28 Menschen seien getötet und 235 seien verletzt worden. Es waren die ersten derartigen Detonationen in der Wirtschaftsmetropole im Norden des Landes an der Grenze zur Türkei, in der es seit Beginn der Proteste im März vergangenen Jahres verhältnismäßig ruhig geblieben war.
Die beiden Explosionen sind nach Behördenangaben die vierten Selbstmordanschläge seit Dezember. Alle wurden an einem Freitagmorgen vor Einrichtungen der Sicherheitsbehörden verübt. Die früheren Explosionen ereigneten sich in Damaskus, nach amtlichen Angaben wurden Dutzende getötet.
Niemand übernahm für die Anschläge die Verantwortung. Ein Aktivist aus Aleppo, Mohammed Abu Nasr, machte das Regime für die Explosionen verantwortlich. Die Opposition verübe keine Anschläge in Wohngebieten, erklärte er.
Parteitag der Baath-Partei in der kommenden Woche
Der Aktivist Mohammed Saleh erklärte, das Regime wolle offenbar Homs und die Provinz Idlib vor dem 17. Februar vollständig unter Kontrolle bringen. Dann versammelt sich die regierende Baath-Partei zu ihrem ersten Parteitag seit 2006. Es wird erwartet, dass die Partei die von Assad angekündigten Reformen auf den Weg bringt.
Außerdem wird wohl verkündet, dass künftig andere politische Parteien eine größere Rolle in Syrien spielen sollen.
Russland hält an Veto fest
Russische Abgeordnete bekundeten nun ihre Unterstützung für das Moskauer Veto gegen eine Syrien-Resolution der UN. Im Unterhaus berieten die Abgeordneten über eine Erklärung zur Lage in Syrien, in der vehement vor einer militärischen Intervention des Auslands dort gewarnt wurde. Die russische Nachrichtenagentur ITAR-Tass zitierte den stellvertretenden Außenminister Sergej Rjabkow mit den Worten, Moskau werde jeden Versuch des Westens vereiteln, Assad mithilfe der Vereinten Nationen zu stürzen.
Russland und China hatten die UN-Resolution zu Syrien am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten mit ihrem Veto verhindert.
Der saudiarabische König Abdullah nannte die Entscheidung Russlands und Chinas bei einer Rede am Freitag einen "nachteiligen" Schritt. Es war seine erste öffentliche Stellungnahme zu der Abstimmung im Weltsicherheitsrat. Er erklärte, die Welt könne nicht von den Mitgliedern im Sicherheitsrat alleine regiert werden, führte dies aber nicht weiter aus. Saudi-Arabien und fünf weitere Golfstaaten zogen ihre Botschafter aus Syrien aus Protest gegen die blutige Niederschlagung der seit elf Monaten andauernden Aufstände gegen Assad mit mehr als 5.400 Toten ab.
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