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Nach Tod Hariris: 500.000 prosyrische Libanesen attackieren Westen

zuletzt aktualisiert: 08.03.2005 - 17:46

Beirut (rpo). Die Lage im Libanon spitzt sich nach dem Mord an Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri bedrohlich zu. Eine halbe Million Menschen ging am Dienstag auf die Straße, um gegen das Vorgehen der USA und der Vereinten Nationen zu protestieren. Die Libanesen sprachen sich gegen die Forderung der vor allem westlichen Mächte aus, dass Syrien sich aus dem Libanon zurückziehen müsse. Zuvor hatte die Wut auf Syrien die Opposition im Lande zu Protesten veranlasst.  

Die 500.000 Libanesen folgten dem Aufruf der Hisbollah und protestierte in Beirut gegen die Einmischung Dritter, die den Abzug der syrischen Truppen sowie die Entwaffnung der Milizen fordern. Hisbollah-Chef Scheik Hassan Nasrallah warnte Washington vor einem Militärschlag.

"Die Flotten sind schon ein Mal gekommen - und vernichtet worden", rief Nasrallah unter dem Jubel der gewaltigen Masse in der Innenstadt Beiruts. "Sie werden wieder vernichtet werden." Bei Damaskus entschuldigte sich der Hisbollah-Chef für die antisyrischen Demonstrationen der vergangenen Wochen, an denen sich allerdings weit weniger Menschen beteiligt hatten. "Wir lehnen die Resolution 1559 ab", stellte er klar. Dabei handelt es sich um eine Entschließung des UN-Sicherheitsrates, in der der Abzug der 14.000 syrischen Soldaten aus dem Libanon sowie die Auflösung der Milizen gefordert wird.

Auch Regierungsmitglieder beteiligten sich an der Kundgebung. "Wir sind gekommen, um dem syrischen Präsidenten Baschar Assad unsere Dankbarkeit zu bezeugen", sagte Kabinettsminister Talal Erslan. Die Demonstranten schwenkten die rot-weiße Flagge mit der grünen Zeder. Über dem Platz hingen zwei riesige Fahnen mit den Aufschriften "Danke Syrien" und "Nein zu ausländischer Einmischung".

Wie bei den vorangegangenen Demonstrationen der Syrien-Gegner hielten die Menschen am Mittag eine Schweigeminute ein, um an die Ermordung von Exministerpräsident Rafik Hariri vor gut drei Wochen zu gedenken. Der Anschlag, für den Oppositionspolitiker Damaskus und die eigene Regierung mitverantwortlich machen, hatte den Ruf nach einem syrischen Truppenabzug anschwellen lassen.

Ungeachtet des Drucks der Opposition und der internationalen Gemeinschaft vereinbarten die Präsidenten Syriens und des Libanons am Montag keinen Termin für einen vollständigen Rückzug, sondern kündigten nur eine Verlegung der Truppen ins Bekaa-Tal nahe der syrischen Grenze bis Ende des Monats an.

Am Dienstag gab es noch keine Hinweise auf größere Truppenbewegungen. Nur vereinzelt waren leere Busse und Lastwagen auf dem Weg nach Westen, möglicherweise, um Soldaten und Gerät aufzunehmen.

Bush und Fischer bekräftigen Forderung nach Truppenabzug

Dessen ungeachtet sagte US-Präsident George W. Bush am Dienstag, die Demokratie im Nahen Osten breite sich aus. Die autoritären Regime lägen in ihren letzten Atemzügen. Er wiederholte seine Forderung nach einem Abzug der syrischen Truppen vor den Wahlen im Mai. "Die Freiheit wird im Libanon siegen", rief er während eines Vortrages in Washington.

Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte erneut den Abzug syrischer Truppen und Sicherheitsdienste aus dem Libanon. Ihre Anwesenheit verhindere eine freie Entfaltung des Landes auf demokratischer Grundlage, sagte Fischer während eines Treffens mit dem libanesischen Oppositionsführer Walid Dschumblatt in Berlin. "Wir wollen einen Libanon, der über sein eigenes Schicksal auf demokratischer Grundlage entscheiden kann."

Quelle: ap

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