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Italien: 60.000 demonstrieren gegen Berlusconi

zuletzt aktualisiert: 04.10.2009 - 14:37

Rom (RPO). Zehntausende Italiener haben auf einer Großdemonstration in Rom für die Pressefreiheit und gegen das Medienimperium von Ministerpräsident Silvio Berlusconi demonstriert.

"Wir verlangen vom Regierungschef, mit der Kampagne gegen Journalisten aufzuhören", sagte Franco Siddi vom italienischen Journalistenverband. Laut den Organisatoren gab es 350.000 Teilnehmer, die Behörden sprachen von 60.000 Demonstranten.

Berlusconi müsse seine Klagen gegen Journalisten zurückzuziehen und die Wahrheit sagen, verlangte Verbandssekretär Siddi am Samstag auf der Piazza del Popolo im Zentrum von Rom vor den Demonstranten, unter denen auch zahlreiche Prominente wie der "Gomorra"-Autor und Mafia-Kritiker Roberto Saviano waren.

Berlusconi klagt gegen italienische und ausländische Zeitungen wegen deren Berichterstattung über seine privaten Skandale. Vor Kurzem rief er Unternehmen auf, bei regierungskritischen Zeitungen keine Anzeigen mehr zu schalten. Die Demonstration bezeichnete er im Vorfeld als "absolute Farce". In keinem anderen westlichen Land sei die Freiheit so groß wie in Italien.

"Das Recht auf Wissen und die Pflicht zur Information" stand auf einem großen Transparent über dem Podium. Auf Plakaten und Transparenten war Kritik an Berlusconis Medienmacht und dem daraus resultierenden Interessenkonflikt mit seinem Amt als Regierungschef zu lesen. Berlusconi kontrolliert de facto das öffentlich-rechtliche italienische Fernsehen, zu seinem Medienkonzern Mediaset gehören drei Privatsender.

"Das ist die größte Demonstration, die jemals für die Pressefreiheit organisiert wurde", sagte der Chef des Journalistenverbandes im einflussreichen Gewerkschaftsbund CGIL, Fulvio Fammoni. Mit Applaus empfingen die Teilnehmer Ezio Mauro, den Herausgeber der Zeitung "La Repubblica", die seit Monaten immer wieder dieselben Fragen an Berlusconi zu einer angeblichen Affäre des Regierungschefs mit einer Minderjährigen druckt. Berlusconi geht gegen die Zeitung juristisch vor.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen Italiens hatte Berlusconi am Freitag zur Achtung der Pressefreiheit aufgefordert und ihm mit der Aufnahme in ihre Liste der "Feinde der Pressefreiheit" gedroht. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Regierungschef in diese Liste aufgenommen würde.

Unterdessen verurteilte ein Gericht in Mailand Berlusconis Fininvest-Konzern am Samstag in einem jahrzehntelangen Streit um die Kontrolle des italienischen Verlagshauses Mondadori zur Zahlung von rund 750 Millionen Euro an die Holding seines Erzrivalen Carlo de Benedetti. Das Geld soll laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa Benedettis CIR-Holding für ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 1991 entschädigen, mit dem Fininvest die Kontrolle über Mondadori erhielt. Ein Strafgericht hatte Jahre später geurteilt, dass der damalige Richterspruch "gekauft" worden war - Berlusconi wurde wegen Verjährung aber nie dafür belangt.

Quelle: AFP/sdr

 
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