Unzufrieden mit Gerichtszeichnung: 9/11-Drahtzieher findet Nase zu groß
zuletzt aktualisiert: 06.06.2008 - 07:42Guantanamo/Kuba (RPO). Der geständige Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 hat die erste Anhörung vor einem Militärtribunal in Guantanamo auf Kuba dazu genutzt, sich möglichst positiv darzustellen. Chalid Scheich Mohammed kritisierte sein Porträt durch eine Gerichtszeichnerin und monierte, dass die Nase auf dem Bild zu groß sei.
In dem Gerichtssaal sind keine Fotografen zugelassen. Die Aufgabe, Bilder von den Angeklagten zu liefern, liegt deshalb bei Gerichtszeichnerin Janet Hamlin. Als Mohammed die Bilder gesehen habe, sei er unzufrieden gewesen, berichtete Hamlin. "Ich hörte, wie er sagte, ich solle sie mit den FBI-Fotos von ihm vergleichen." Auf die Frage, ob Mohammed denn Recht habe, sagte Hamlin: "Ich stimme ihm völlig zu." Dann eilte sie in den Gerichtssaal, um die Nase zu verkleinern.
Es war das erste Mal seit Jahren, dass Mohammed in der Öffentlichkeit zu sehen war. Anders als auf Fotos von seiner Festnahme trug er einen langen Bart, er war sichtbar gealtert. Mohammed und die vier Mitangeklagten nahmen auf der Anklagebank Platz, ohne dass sie durch Gewaltanwendung von Seiten des Sicherheitspersonals dazu gezwungen werden mussten. Sie trugen keine Handschellen. Ihre Aussagen wurden mit 20-sekündiger Verzögerung in den Saal übertragen, in dem Journalisten das Verfahren verfolgten. Dadurch sollte dem Richter die Möglichkeit gegeben werden, die Übertragung zu unterbrechen, sobald als Staatgeheimnis gewertete Informationen zur Sprache kamen.
Der aus Pakistan stammende Kuwaiter Mohammed gilt als Drahtzieher der Flugzeuganschläge in New York und Washington. Bereits in vorangegangenen Verhören hat er sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums selbst der Taten bezichtigt. Bei seinem Auftritt vor Militärrichter Thomas Kohlmann sagte er am Donnerstag: "Ich brauche keinen Anwalt, ich werde mich selbst vertreten." Er fügte hinzu: "Gott allein reicht mir." Seine Ausführungen unterbrach er für Rezitationen aus dem Koran.
Der Hauptverdächtige Khalid Sheikh Mohammed entließ zu Beginn der Anhörung seine Verteidiger und forderte die Militärrichter auf, ihn zum Tode zu verurteilen. "Ich will ein Märtyrer werden, das ist seit langer Zeit mein Wunsch", sagte Mohammed. Unter den vier Mitangeklagten ist auch Ramzi Binalshibh, der als Cheflogistiker der Hamburger Zelle um den Flugzeugattentäter Mohammed Atta gilt. Die Anklage fordert für alle fünf die Todesstrafe.
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