Musab al Sarkawi: Ein skrupelloser Stratege des Terrors

zuletzt aktualisiert: 08.06.2006 - 13:30

Bagdad (rpo). Der Terror im Irak ist mit einem Namen eng verbunden: Abu Musab al Sarkawi. Er galt als skrupelloser Stratege, dem es nie genug war, mit einem Anschlag möglichst viele Menschen zu töten. Seine Anschläge, Entführungen und Enthauptungen zielten auf eine weitere, emotionale Stufe: Angst und Schrecken zu verbreiten und zugleich Emotionen zu schüren, um seinen Führungsanspruch in der aufständischen Bewegung durchzusetzen.

Musab al Sarkawi. Foto: AP
Musab al Sarkawi. Foto: AP

Sein Terrorfeldzug begann am 19. August 2003 mit einem Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad, bei dem der UN-Sondergesandte Sergio Viera de Mello getötet wurde. Zehn Tage später tötete eine Autobombe in der schiitischen Stadt Nadschaf mehr als 85 Menschen, darunter den Schiiten-Führer Ayatollah Mohammed Bakir al Hakim.

Die Schockwellen dieser Anschläge gelten als Beginn des Aufstands der Sunniten im Irak. Bis zu seinem vom irakischen Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki am Donnerstag gemeldeten Tod bei einem US-Luftangriff versuchte Al Sarkawi, den Aufstand zu einem Bürgerkrieg zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden im Irak auszuweiten. In einem vor sechs Tagen veröffentlichten Video zog er vier Stunden lang über Schiiten her und nannte sie Feinde des Islams, die sunnitische Frauen vergewaltigten und sunnitische Männer töteten. Aus irakischen und jordanischen Geheimdienstkreisen verlautete, die Auswertung des Videos habe geholfen, seinen Aufenthaltsort zu bestimmen.

Am Anfang nannte sich Al Sarkawis Gruppe noch Tauhid und Dschihad (Monotheismus und Heiliger Krieg). Im Oktober 2004 teilte sie mit, sie habe sich dem Terrornetzwerk Al Kaida und "dem Vater aller Kämpfer", Osama bin Laden angeschlossen. Sie nannte sich fortan Al Kaida im Irak. Bin Laden erhob Al Sarkawi zu einem seiner Stellvertreter; eine entsprechende Tonband-Botschaft wurde im Dezember 2004 verbreitet.

Wie bestimmend Al Sarkawis Einfluss auf den Aufstand der Sunniten war, ließ sich trotz aller seiner spektakulären Aktionen nie exakt bestimmen. Unklar ist für viele Experten deshalb auch, wie es nach seinem Tod weitergeht. Sein Name bleibt aber unbestritten mit den berüchtigtsten Anschlägen verbunden, die nach dem schnellen Sieg der US-Streitkräfte über die Truppen Saddam Husseins den Irak destabilisierte.



Es wird vermutet, dass Al Sarkawi mindesten zwei amerikanische Geiseln, Nicholas Berg im Mai 2004 und Eugene Armstrong im September 2004 vor laufender Kamera enthauptete. Seine Stimme wurde in einem der Videos als die des Mannes mit dem gezückten Messer identifiziert. Die USA setzten 25 Millionen Dollar auf seinen Kopf aus - dieselbe Summe wie die für die Ergreifung Bin Ladens.

Al Sarkawi wurde am 20. Oktober 1966 in der jordanischen Stadt Sarka als Ahmad Fadhil Nassal al Chalajleh geboren. Von seiner Geburtsstadt leitete er seinen Kriegsnamen ab. In Jordanien saß er wegen terroristischer Aktivitäten vier Jahre in Haft - und wurde dabei weiter radikalisiert. 1999 wurde er begnadigt und ging nach Afghanistan, wo er eine Verbindung zu Bin Laden herstellte.

2005 weitete er seine Terroraktionen über die irakischen Grenzen hinaus aus. Am 9. November rissen drei von ihm geschickte Selbstmordattentäter in drei Ammaner Hotels 60 Menschen mit sich in den Tod. Neben weiteren Anschlägen in Jordanien soll er auch für Raketenangriffe vom Libanon aus auf Israel verantwortlich gewesen sein. Er soll ferner geplant haben, jordanische Regierungsgebäude und die US-Botschaft in Amman mit Giftgas anzugreifen und tausende Menschen zu töten. Al Sarkawi wurde von einem jordanischen Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Quelle: ap

 
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