Tegucigalpa (RPO). Fünf Monate nach dem Staatsstreich in Honduras hat der konservative Oppositionskandidat Porfirio "Pepe" Lobo die umstrittene Präsidentenwahl in dem mittelamerikanischen Land gewonnen. Der Kandidat der Nationalpartei errang laut Teilergebnissen fast 56 Prozent der Stimmen. Nach den USA begrüßte am Montag auch die EU den weitgehend friedlichen Wahlverlauf, erkannte das Ergebnis aber ebenfalls nicht ausdrücklich an.
Lobo sagte nach der Wahl am Sonntag vor Anhängern in der Hauptstadt Tegucigalpa, er wolle eine Regierung der "Versöhnung" bilden, um die durch den Staatsstreich entstandene Krise zu überwinden. Lobos wichtigster Rivale Elvin Santos erreichte den Teilergebnissen zufolge rund 39 Prozent und gestand seine Niederlage ein.
Santos war für die gespaltene Liberale Partei (PL) ins Rennen gegangen. Der Formation gehören auch Zelaya und Putschpräsident Roberto Micheletti an, die beide nicht zur Wahl standen. Zelaya war Ende Juni gestürzt und von der Armee außer Landes gebracht worden. Auslöser war Zelayas Versuch, sich per Verfassungsänderung eine zweite Amtszeit zu ermöglichen. Ende September gelang Zelaya die heimliche Rückkehr in sein Land, seitdem sitzt in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa fest.
Zelaya hatte seine Anhänger zum Boykott des Urnengangs aufgerufen, dennoch gaben nach offiziellen Angaben rund 61 Prozent der 4,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Zelaya, der vor fünf Jahren bei einer Wahlbeteiligung von 55 Prozent gewonnen hatte, nannte die Zahlen "aufgebläht". Die Menschen in Honduras würden belogen, sagte er dem Sender Radio Globo.
Wie Zelaya stammt auch Lobo aus dem Milieu der Großgrundbesitzer. Während sich Zelaya im Laufe seiner politischen Karriere immer weiter nach links bewegte, ging Lobo ins konservative Lager.
Nach Lobos Wahlsieg bleiben wichtige Fragen zur politischen Zukunft in Honduras offen. Am Mittwoch entscheidet das Parlament in Tegucigalpa, ob Zelaya bis zum Ende seiner Amtszeit am 27. Januar wieder eingesetzt wird.
Die USA bezeichneten die Präsidentenwahl nun als "notwendigen und wichtigen Schritt" hin zu einer Lösung der schweren innenpolitischen Krise in Honduras. Bis zur Wiederherstellung der demokratischen und verfassungsmäßigen Ordnung bleibe aber noch viel zu tun.
Die EU-Kommission lobte, dass der Urnengang "friedlich und ruhig" verlaufen sei. "Es ist jetzt wichtig, dass alle Seiten ihre Bemühungen um einen Dialog verstärken, um eine friedliche Lösung zu finden", sagte Kommissionssprecher Lutz Güllner in Brüssel. Auch er vermied eine ausdrückliche Anerkennung Lobos als neuen honduranischen Präsidenten. Venezuela, Brasilien und sechs weitere lateinamerikanische Länder wollen das Wahlergebnis nicht anerkennen.
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Quelle: AFP/csr