Brasilia (RP). Es gibt Situationen, in denen man nicht ausweichen kann. Der Lift des Hotels Copacabana Palace in Rio. Jürgen Rüttgers holt nach dem Frühstück seine Tasche vom Zimmer, als der Aufzug in der vierten Etage anhält. Die Tür öffnet sich, und der Ministerpräsident blickt in ein überraschtes Gesicht. Werner Müller, der Vorstandsvorsitzende von Evonic (früher Ruhrkohle AG), will auch nach unten. Die beiden, die politisch nicht gerade miteinander befreundet sind halten einen kurzen Smalltalk, sobald der Lift sich öffnet, entschwinden sie in unterschiedliche Richtungen. Es sei eine komische Situation gewesen, Rüttgers unerwartet im Aufzug zu treffen, sagt Müller später.
Freitagmorgen. In Rio nieselt es. Die Delegation startet zum einem Ausflug auf den Corcovado. Auf dem Gipfel steht die berühmte Christusstatue. Von der soll man einen phantastischen Blick auf den Zuckerhut haben. Der Berg war 1979 Kulisse des James-Bond-Abenteuers „Moonraker“. 007 und der „Beißer“ kämpften auf der Gondel der Seilbahn. Doch vom Zuckerhut ist nichts zu sehen. Es herrscht dichter Nebel, der auch die Christusstatue verhüllt. Trotzdem werden viele Erinnerungsbilder gemacht. Nachdem alles im Kasten ist, gibt Rüttgers das Zeichen zur Weiterfahrt. „So, jetzt ist Feierabend.“
Letzter Programmpunkt vor dem Abflug ist der Besuch der Projekt-Casa vom Kinderdorf Rio. Das Haus liegt am Eingang zu einem Elendsviertel, das von der Drogen-Mafia kontrolliert wird. Unglaublich, aber wahr: Die Sicherheitsbehörden haben den Rüttgers-Besuch bei den Gangstern angemeldet, um Missverständnisse wegen der Polizeipräsenz zu klären. Die Bosse stimmten zu, dass drei Polizeimotorräder den Delegationsbus durch ihr Hoheitsgebiet geleiten dürfen. Die übrigen Kräfte dürfen nicht in die Nähe der „Favela“.
Während Projektleiterin Terezinha Sasceoncelos die Arbeit des Kinderdorfs vorstellt, Tänze aufgeführt werden und das Vater Unser gebetet wird, behalten die Sicherheitsleute die Nachbarschaft genau im Auge. Sie sind begründet beunruhigt. Erst vor wenigen Wochen war eine Erzieherin in der Einrichtung bei einer Schießerei von einem Querschläger tödlich getroffen worden.
Diesmal bleibt alles friedlich. Jetzt geht es zurück zum Flughafen. Die Reise nähert sich dem Ende zu.
Rüttgers hat in fünf Tagen 23 Termine absolviert. Er hat zwei vorbereitete Reden gehalten, zwei deutsche Firmen und zwei Entwicklungsprojekte besucht sowie eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Stets hat er verdeutlich, dass sein Anspruch, Politik zu gestalten, weit über NRW hinausgeht.
Vor dem Abflug nach Frankfurt gibt es in der Business-Lounge noch dicke Luft. Die Maschine kann nicht pünktlich starten, weil die Crew zu spät am Hotel losgefahren ist und im Stau steckt. Rüttgers fühlt sich schlecht informiert und sagt das dem örtlichen Chef der Lufthansa auch deutlich.
Im Jumbo Jet trifft die Delegation wieder auf Evonik-Chef Werner Müller. Während Rüttgers in Reihe 25 der Business Class platz nimmt, klettert Müller in den oberen Teil der Maschine. Er fliegt – gemeinsam mit Hubertus Schmoldt, der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie und Energie – First Class nach Frankfurt.
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