Botschafter drückt Herero Bedauern Deutschlands aus: Vor 100 Jahren: Blutiger Aufstand gegen deutsche Kolonialmacht

zuletzt aktualisiert: 12.01.2004 - 09:24

Okahandja (rpo). Vor genau 100  Jahren begann in Deutsch-Südwest-Afrika ein blutiges Drama. In der einstigen Kolonie erhoben sich die Herero gegen deutsche Siedler, denen sie Landraub und Unterdrückung vorwarfen. Bis zur Niederschlagung des Aufstandes fielen dem deutschen Feldzug mindestens 60.000 Herero - das sind drei Viertel der Volkszugehörigen - zum Opfer.

Der deutsche Botschafter in Namibia, Wolfgang Massing, brachte im Rahmen von Gedenkfeierlichkeiten das tiefe Bedauern der Bundesregierung für die brutale Niederschlagung des Herero-Aufstandes durch die deutsche Kolonialmacht zum Ausdruck. 

Die Geschichte könne nicht geändert werden, aber den Opfern und ihren Nachkommen könne die Würde und Ehre, derer sie beraubt wurden, zurückgegeben werden, sagte Massing während einer Gedenkzeremonie am Sonntag im namibischen Okahandja. Die Bundesregierung bedauere diese unglückliche Vergangenheit zutiefst, sagte Massing, der als ranghöchster Vertreter Deutschlands an der Zeremonie teilnahm. Unter den 600 Teilnehmern der Gedenkfeier waren überwiegend Angehörige des Herero-Volkes.

Die Zeremonie in der früheren Herero-Hauptstadt Okahandja bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen in den kommenden drei Jahren an die Vernichtung großer Teile des Herero-Volkes durch die deutsche Kolonialmacht zwischen 1904 und 1907 erinnert werden soll.

Der Aufstand hatte am 12. Januar 1904 mit einem Überfall von Herero auf deutsche Siedler begonnen, denen sie Landraub und Unterdrückung vorwarfen. Historiker gehen davon aus, dass dem deutschen Feldzug mindestens 60.000 Herero, drei Viertel der Volkszugehörigen, zum Opfer fielen.



Herero-Chef Kuaima Riruako sagte in seiner Ansprache, die "Wunden der Vergangenheit" müssten "geheilt" werden. "Unsere Forderung nach Entschädigungen muss verstanden werden als Versuch, unsere Würde zurückzuerlangen und das zurückzubekommen, was uns zu Unrecht genommen wurde."

Eine Gruppe von Herero-Führern hatte vor zwei Jahren in den USA den deutschen Staat sowie mehrere deutsche Unternehmen auf vier Milliarden Dollar (3,14 Milliarden Euro) Entschädigung verklagt. Riruako forderte den namibischen Präsidenten Sam Nujoma auf, die Forderung nach Reparationen zu unterstützen und kritisierte die Abwesenheit des Staatschefs bei der Gedenkfeier.

Die Bundesregierung lehnt eine formelle Entschuldigung und Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen ab. Deutschland stehe zu seiner Vergangenheit, lehne eine "entschädigungsrelevante Entschuldigung" aber ab, sagte Außenminister Joschka Fischer (Grüne) im Oktober in Namibia.

Außenamtssprecher Walter Lindner verwies zum Jahrestag darauf, dass das südwestafrikanische Land pro Kopf gesehen die höchste deutsche Entwicklungshilfe in Afrika bekommt. "Der besonderen Verantwortung sind wir uns selbstverständlich bewusst. Es ist ein trauriger Jahrestag."


 
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