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Palästinensischer Präsidentschaftswahlkampf eröffnet
Abbas schweigt für Arafat

Bilder aus der Ära Arafat
Bilder aus der Ära Arafat FOTO: AP
Ramallah (rpo). Der Beginn des palästinensischen Präsidentschaftswahlkampfs stand im Zeichen eines Toten. Mit einer Schweigeminute ehrte der aussichtsreichste Kandidat Mahmud Abbas den verstorbenen Jassir Arafat. Anschließend forderte er Israel zum vollständigen Abzug aus den besetzten Gebieten auf.

Zudem müssten alle in Israel festgehaltenen palästinensischen Gefangenen freigelassen werden, forderte Abbas am Samstag vor mehreren hundert Anhängern in Ramallah. Diese Ziele wolle er friedlich erreichen. Der neue Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) wurde von der politisch stärksten Fatah-Partei für die Nachfolge des im November verstorbenen Präsidenten Jassir Arafat nominiert.

"Wir wählen den Pfad des Friedens und der Verhandlungen", sagte Abbas, "Wenn es hier keinen Frieden gibt, wird es weder für den Nahen Osten noch für den Rest der Welt Frieden geben." Der 69-Jährige machte allerdings auch deutlich, dass er für einen Frieden um jeden Preis nicht zu haben sei. "Wir können keine Kompromisse in der Jerusalem-Frage machen", sagte Abbas, der Umfragen zufolge als Favorit für die Präsidentschaftswahl am 9. Januar gilt.

Sein Wahlkampfmanager Tajeb Abdelrahim stellte Abbas anschließend als palästinensischen "Revolutionär der ersten Stunde". "Du standest Seite an Seite mit Abu Ammar (Arafat), um für den Frieden der Tapferen zu kämpfen," sagte der frühere Präsidentschaftssekretär unter Arafat vor rund 2000 Anhängern in einer Versammlungshalle in Ramallah im Westjordanland. Abbas forderte in einer Ansprache Frieden und Sicherheit für das palästinensische Volk.

Abbas klarer Favorit

Abbas gilt als klarer Favorit bei dem Urnengang am 9. Januar. Er tritt für die Fatah-Organisation des verstorbenen Arafat an. Die radikalen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad boykottieren die Wahl und haben ihre Anhänger aufgerufen, nicht abzustimmen. Neben Abbas treten die Demokratische Volksfront zur Befreiung Palästinas (DFLP) und die ehemals kommunistische Volkspartei mit eigenen Kandidaten an. Die übrigen Bewerber sind unabhängig.

Am Sonntag will die israelische Regierung nach Angaben des staatlichen Rundfunks Zusagen für praktische Maßnahmen zur Erleichterung der palästinensischen Präsidentschaftswahl verkünden. Vorgesehen ist unter anderem ein schrittweiser Truppenabzug aus den größeren Städten des Westjordanlandes sowie Bewegungsfreiheit für die Kandidaten. Außerdem sollen sich internationale Beobachter und die Wähler am Wahltag frei bewegen können.

(afp)
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