Nahostkonflikt: Ägypten lieferte offenbar Waffen an die Fatah
zuletzt aktualisiert: 28.12.2006 - 20:15Jerusalem (RPO). Ägypten hat nach israelischen Angaben Waffen an die Palästinenser-Organisation Fatah geliefert. Der Transport sei am Donnerstag ber israelisches Territorium erfolgt, verlautete aus Sicherheitskreisen in Jerusalem. Der Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rdeneh, dementierte die Waffenlieferung.
Mit den Waffen will Ägypten angeblich die gemäßigten palästinensischen Kräfte im Machtkampf mit der Hamas stärken. Eine offizielle Bestätigung für den Waffentransport gab es nicht. Gleichwohl berichteten Augenzeugen, sie hätten beobachtet, wie von einem voll beladenen Lastwagen der Fatah-Sicherheitskräfte eine von vielen Kisten heruntergefallen und auseinandergebrochen sei. Daraufhin seien zahlreiche Maschinengewehre zum Vorschein gekommen. Den Gewährsleuten in Jerusalem zufolge wurden insgesamt 2000 automatische Waffen mit Munition an die Sicherheitskräfte des palästinensischen Präsidenten geliefert.
Die israelische Regierung hat solche Lieferungen stets verboten, weil ein Einsatz der Waffen gegen Israel befürchtet wurde. Nun jedoch erschien es der Regierung offenbar wichtiger, Abbas im Machtkampf mit der radikalislamischen Hamas-Regierung zu stärken. Der Zeitung "Haaretz" zufolge wurde der Deal beim Treffen zwischen Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am vergangenen Wochenende ausgehandelt.
Ein ranghoher Beamter des Verteidigungsministeriums, Amos Gilad, bestätigte dies zumindest indirekt. Man habe Hilfe geleistet, um die Kräfte des Friedens zu unterstützen gegen die Kräfte der Dunkelheit, die die Zukunft des Nahen Ostens bedrohten, sagte er dem Sender Israel Radio. Wie Abbas-Sprecher Rdeneh wies auch Ahmed Jussef, ein Berater von Ministerpräsident Ismail Hanija, dies zurück. Ägyptische Regierungsbeamte hätten ihm versichert, dass keine Waffenlieferungen an die Palästinenser stattgefunden hätten. Offenbar verbreite Israel Gerüchte, um die Spannungen anzuheizen. Dem Machtkampf zwischen Fatah und Hamas sind in den vergangenen Wochen mindestens 17 Menschen zum Opfer gefallen.
Versöhnungstreffen in Amman
Hanija hatte wegen der Kämpfe eine Reise durch mehrere islamische Länder abgebrochen. Am Donnerstag setzte er sie fort und reiste zunächst nach Saudi-Arabien. Anschließend wollte er Kuwait und Katar besuchen und schließlich Jordanien. Der jordanische König Abdullah II. hat Hanija und Abbas zu einem Versöhnungstreffen nach Amman eingeladen.
Die israelische Außenministerin Zipi Livni stellte derweil ihren eigenen Plan für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern vor. Demnach soll nach Verhandlungen mit moderaten Kräften schon bald ein palästinensischer Staat auf dem Gebiet des Gazastreifens und Westjordanlands entstehen, wie die Zeitung "Haaretz" die Kadima-Politikerin zitierte. Eine der Grenzen dieses Staates solle vorläufig von dem umstrittenen Sicherheitszaun zwischen Israel und dem Westjordanland gebildet werden. Alle anderen strittigen Fragen wie der endgültige Grenzverlauf, der Status von Jerusalem und das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge könnten dann zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden.
Ministerpräsident Olmert signalisierte unterdessen Bereitschaft zu Friedensverhandlungen mit Syrien. Israel werde auf jeden Laut reagieren, der Friedensabsichten seiner Feinde bekunde, sagte Olmert vor Absolventen der Luftwaffenakademie. Dies wurde als klares Zeichen an die Regierung in Damaskus gewertet.
Verschleppter israelischer Soldat bald frei?
Unterdessen signalisierte Ministerpräsident Hanija, dass der von radikalen Palästinensern entführte israelische Soldat Gilad Schalit womöglich bald frei kommen könnte. Die Entlassung palästinensischer Gefangener werde bald vollzogen und von der Freilassung Schalits begleitet, sagte Hanija am Donnerstag vor Journalisten auf dem Flughafen von El Arisch auf der Halbinsel Sinai. "Der Druck auf Israel, diese Angelegenheit so schnell wie möglich zu beenden, muss aufrecht erhalten werden, damit die palästinensischen Gefangenen und der israelische Soldat so schnell wie möglich befreit werden können", fügte der Regierungschef hinzu.
Schalit war im Juni von palästinensischen Extremisten auf israelischem Territorium am Rande des Gaza-Streifens verschleppt worden. In den zur Zeit laufenden Verhandlungen über die gegenseitige Gefangenenfreilassung konnte bisher noch keine Einigung über die Zahl der Gefangenen getroffen werden, die Israel freilassen soll. Aus ranghohen Sicherheitskreisen hatte es am Dienstag geheißen, die Freilassungen würden vor allem Frauen und Minderjährige betreffen. Im Umfeld von Olmert war dabei von 20 bis 30 der insgesamt etwa 10.000 Gefangenen die Rede.
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