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Keine Verhandlungen mit der Taliban: Afghanische Regierung bleibt im Geisel-Drama hart

zuletzt aktualisiert: 31.07.2007 - 15:00

Ghasni (RPO). Die Situation der entführten Südkoreaner in Afghanistan wird immer dramatischer. Auch nach der Ermordung der zweiten Geisel kündigte die Regierung um Präsident Hamid Karsai an, nicht auf die Forderungen der Taliban einzugehen.

Die Freilassung gefangener Taliban stehe nicht zur Debatte, sagte ein Sprecher von Präsident Karsai am Dienstag. Mehrere Stunden zuvor hatte die Polizei die Leiche eines 29-jährigen Südkoreaners gefunden, der allem Anschein nach mit einem Kopfschuss getötet worden war. Die Taliban drohten mit der Ermordung weiterer Geiseln.

Der selbst ernannte Taliban-Sprecher Kari Jussef Ahmadi stellte der Regierung in Kabul am Dienstag ein neues Ultimatum: Falls sie keine Taliban aus der Haft entlasse, werde am (morgigen) Mittwoch nach 12 Uhr (09.30 Uhr MESZ) mindestens eine weitere Geisel getötet. "Es könnte ein Mann oder eine Frau sein... Es könnte einer sein. Es könnten zwei, vier sein. Es könnten alle sein", sagte Ahmadi.

In der Hand der Extremisten befinden sich noch 21 Südkoreaner, darunter 18 Frauen. Die Christen waren vor knapp zwei Wochen in der Provinz Ghasni verschleppt worden. Am vergangenen Mittwoch töteten die Extremisten die erste Geisel, einen 42-jährigen Pfarrer.

Die südkoreanische Regierung bat die internationale Gemeinschaft, Menschenleben vor politische Erwägungen zu stellen. Man sei sich zwar darüber im Klaren, wie im Falle solcher Entführungen in der Regel verfahren werde, hieß es in einer Erklärung. Dennoch sei "Flexibilität" angebracht, um das Leben der Entführten zu retten.

Karsais Sprecher Humajun Hamidsada versicherte, die afghanische Regierung tue alles, um ein Ende des Geiseldramas zu erreichen. Über "Freilassung oder Nicht-Freilassung von Kriminellen" werde aber nicht verhandelt.

Im März hatte Karsai fünf gefangene Taliban im Austausch für den entführten italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo aus der Haft entlassen und war dafür international scharf kritisiert worden.

Regierung sucht Gespräche mit Stammesführern

Darauf angesprochen, sagte Hamidsada am Dienstag auf einer Pressekonferenz: "Ich denke nicht, dass das zu einer Industrie in Afghanistan werden sollte." Sich den Forderungen der Geiselnehmer zu beugen, würde bedeuten, sie zu neuen Entführungen zu ermutigen.

Ähnlich äußerte sich der afghanische Handelsminister Amin Farhang in einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir haben einmal nachgegeben. Wenn wir dies ein zweites Mal tun würden, hätten wir verloren", sagte Farhang. Stattdessen habe die Regierung Gespräche mit einflussreichen Stammesführern aufgenommen, die Druck auf die Geiselnehmer ausüben sollten.

Eine gewaltsame Befreiung der Geiseln schloss Farhang aus. Die Entführten seien in kleine Gruppen aufgeteilt worden und würden an verschiedenen Orten festgehalten. Dadurch sei eine Befreiungsaktion nahezu aussichtslos. Zudem verfüge die afghanische Regierung nicht über die nötigen Spezialkräfte.

Al Dschasira strahlte am Montagabend Videoaufnahmen aus, auf denen nach Darstellung des arabischen Fernsehsenders sieben der verschleppten Südkoreanerinnen zu sehen sind. Mehrere kauern, mit Schleiern verhüllt, im Dunkeln. Die Frauen wurden offenbar zu Boden geworfen, keine von ihnen spricht. Wie Al Dschasira an das Band kam, teilte der Sender nicht mit.

Quelle: ap

 
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