Fall Kurnaz: Afghanische Regierung nicht über Inhaftierung informiert
zuletzt aktualisiert: 04.02.2007 - 09:19Köln (RPO). Die Inhaftierung des Bremer Türken Murat Kurnaz in Kandahar war der Regierung Afghanistans nicht bekannt. Das erklärte der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta am Sonntag im Deutschlandfunk.
Spanta fügte hinzu, zwar flössen die Informationen über in Afghanistan festgehaltene Terrorverdächtige jetzt reichlicher als noch 2001. Doch noch immer würden der Regierung in Kabul nicht in jedem Fall die Namen mitgeteilt. "Manchmal bekommen wir Informationen, manchmal nicht. Das muss ich zugeben", sagte der afghanische Außenminister.
Er warb in dem Rundfunkinterview zugleich für die Entsendung deutscher Tornado-Flugzeug in den umkämpften Süden des Landes. Für einen erfolgreichen Kampf gegen den internationalen Terrorismus würden die Bundeswehrmaschinen benötigt, sagte er.
Spanta fügte aber hinzu, dies sei eine Entscheidung, die die deutschen Politiker allein zu treffen hätten. "Sollen die deutschen Abgeordneten im Interesse des deutschen Volkes entscheiden", sagte er. Das in Afghanistan agierende internationale Netzwerk sei jedoch kein lokales Phänomen. "Europa ist unmittelbarer Nachbar des Terrornetzwerkes", betonte der Kabuler Minister.
Kritisch äußerte sich Spanta zur deutschen Ausbildung afghanischer Polizisten. "Mit dieser Geschwindigkeit und diesen knappen Ressourcen schaffen wir es nicht", sagte er.
Angesichts der begrenzten Mittel und Zeit dauere die Ausbildung zu lange, auch wenn ihr Ziel stimme. Die Schwäche der Sicherheitsorgane sei noch immer das Hauptdefizit Afghanistans. Die dortige Armee verfüge fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban lediglich über 35.000 Soldaten, die zudem schlecht ausgestattet seien.
Außenminister Spanta beklagte, dass die internationale Gemeinschaft für den Kosovo 16 Mal mehr Geld ausgebe als für Afghanistan. Die internationale Gemeinschaft forderte er auf, Druck auf Pakistan ausüben, wo noch immer die meisten Taliban-Kämpfer rekrutiert würden.
Diese hätten allein im vergangenen Jahr 198 Schulen in Brand gesetzt, hauptsächlich solche für Mädchen. 200.000 Kinder könnten deshalb nicht mehr zum Unterricht gehen.
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