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Nachfolger von getötetem Anführer Mansur
Afghanische Taliban haben einen neuen Chef

Afghanische Taliban haben neuen Chef: Haibatullah Achundsada
Neuer Chef der Taliban ist der Religionsgelehrte Mullah Haibatullah Achundsada. FOTO: dpa, os moa
Kabul . Die Taliban haben einen neuen Anführer, doch die Aussichten auf Frieden dürften sich dadurch nicht verbessert haben. In Kabul sprengte ein Attentäter elf Menschen in den Tod.

Vier Tage nach dem Tod ihres Anführers Mullah Achtar Mansur haben die afghanischen Taliban einen Nachfolger ernannt. Neuer Chef ist der Religionsgelehrte Mullah Haibatullah Achundsada, wie es am Mittwoch in einer Erklärung der Radikalislamisten hieß.

Achundsada ist bekannt für extremistische Ansichten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er den Friedensprozess mit der afghanischen Regierung unterstützt. Vielmehr wird erwartet, dass er den aggressiven Kurs Mansurs fortsetzen wird.

Mansur war am Samstag bei einem US-Drohnenangriff getötet worden. Er hatte erst vor einem Jahr die Führung der Aufständischen übernommen, nachdem der Tod des langjährigen Rebellenchefs Mullah Omar bekannt geworden war. Allerdings hatte es intern Streit über Mansurs Führungsanspruch gegeben.

Achundasa wurde nach Angaben der radikalen Islamisten bei einem Treffen von Taliban-Führern gewählt, vermutlich in Pakistan. Auch zwei neue Stellvertreter wurden gekürt. Bei ihnen handelt es sich um Siradschuddin Hakkani, der bereits Stellvertreter Mansurs war, und den Sohn des gestorbenen Talibanchefs Mullah Omar, Mullah Jakub.

Mullah Achtar Mansur wurde Mitte Mai bei einem US-Drohnenangriff getötet. FOTO: dpa, os jak sup kno

Beide galten ursprünglich als Favoriten auf die Nachfolge von Mansur. Hakkani leitet das gleichnamige Netzwerk, das hinter den verheerendsten Anschlägen in Afghanistan seit Beginn des Kriegs 2001 steht. Mullah Jakub kontrolliert für 15 der 34 Provinzen in Afghanistan die Militärkommission der Taliban.

Achundsada war bisher einer der beiden Stellvertreter Mansurs und galt zuvor als enger Vertrauter von Mullah Omar. In Erklärungen rechtfertigte er immer wieder den Krieg der Taliban gegen die afghanische Regierung. Er stammt aus Kandahar, der Hauptstadt während des Taliban-Regimes von 1996 bis 2001. Angehörigen des Nursai-Stammes zufolge ist Achundsada rund 50 Jahre alt und leitete in der Vergangenheit Religionsschulen.

Der frühere Taliban-Außenminister Mullah Mohammas Ghus sagte der Nachrichtenagentur AP, die Wahl sei eine sehr weise Entscheidung. Achundsada sei unter Taliban aller Rangstufen respektiert. Er könne die Kräfte wiedervereinen.

In der Hauptstadt Kabul verübten die Taliban einen weiteren Selbstmordanschlag. Elf Menschen kamen ums Leben. Ein Attentäter habe seinen Sprengstoffgürtel gezündet, als er an einem Minibus mit Gerichtsmitarbeitern vorbei gegangen sei, teilte das Innenministerium mit. Unter den Opfern seien auch Passanten. Darüber hinaus seien vier Menschen verletzt worden.

Die Taliban bekannten sich zu der Tat und erklärten, sie sei ein Racheakt für die Tötung von sechs Gefangenen in Kabul Anfang des Monats. Der letzte große Anschlag in Kabul hatte sich am 19. April ereignet. Damals starben 64 Menschen, Hunderte wurden verletzt. Auch zu diesem Anschlag bekannten sich die Taliban.

(csr/ap)
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