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Taliban-Anführer
Afghanischer Geheimdienst bestätigt Tod Mansurs

Afghanischer Geheimdienst bestätigt Tod von Taliban-Anführer Mullah Mansur
Taliban-Chef Mansur FOTO: dpa, os jak sup kno
Washington. Er bekleidete jahrelang einen Ministerposten der Taliban in Afghanistan, zuletzt kämpfte er im Untergrund für die Islamisten. Nun soll Mullah Mansur getötet worden sein. Brechen erneut interne Kämpfe um die Nachfolge aus?

Der afghanische Geheimdienst NDS und der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah bestätigten schließlich dessen Tod. Mansur sei bei einem Drohnenangriff in der pakistanischen Stadt Quetta getötet worden, meldeten sie am frühen Sonntagnachmittag (Ortszeit) über den Kurznachrichtendienst Twitter. Sein Auto sei in Dahl Bandin angegriffen worden. Details gab es aus ihren Büros zunächst nicht.

Das US-Verteidigungsministerium hatte in der Nacht zum Sonntag berichtet, dass Mansur am Samstag bei einem US-Drohnenangriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet möglicherweise getötet worden sei. Die Taliban hatten die Berichte über den Tod ihres Anführers am Sonntagmorgen aber zurückgewiesen.

Mansur hatte Ende Juli 2015 die Führung der Taliban übernommen und Friedensgespräche abgelehnt. Er hatte Ende Juli 2015 offiziell die Führung der Taliban übernommen, danach tobten blutige interne Machtkämpfe unter den Taliban. Im Geheimen hatte er die Islamisten aber schon länger geführt. Denn sein Vorgänger Mullah Omar, so stellte sich damals heraus, war schon zwei Jahren vor Verkündung seines Todes gestorben. Das hatten Mansur und andere aus dem Führungsgremium aus Angst vor Machtkämpfen aber verschwiegen.

USA machen Mansur für Tod Tausender Afghanen verantwortlich

Mansur, der auf Mitte 40 geschätzt wird, war schon einflussreich, als die radikalislamischen Taliban zwischen 1996 und 2001 in Afghanistan herrschten. Er wurde zuerst Flughafenchef der großen südafghanischen Stadt Kandahar, später Minister für den Flugverkehr. Er war somit nicht nur für die staatliche Fluglinie Ariana zuständig, sondern auch für die Luftwaffe des Landes. Die bestand allerdings nur aus ein paar alten Flugzeugen und Hubschraubern.

In einer Mitteilung machte das Pentagon Mansur für den Tod Tausender afghanischer Zivilisten und Sicherheitskräfte verantwortlich. Er sei aktiv an der Planung von Angriffen gegen Einrichtungen in Kabul und anderen Teilen Afghanistans beteiligt gewesen. Er habe auch eine Bedrohung für US-Personal und Verbündete im Land dargestellt.

"Mansur stand dem Frieden und einer Versöhnung zwischen der Regierung von Afghanistan und den Taliban im Wege", betonte das Pentagon weiter. Er habe Taliban-Führer an der Teilnahme an Friedensgesprächen mit der Regierung gehindert, die zu einem Ende des Konflikts führen könnten.

Islamisten weiter stark am Hindukusch

Die Schlagkraft der Islamisten am Hindukusch war zuletzt ungebrochen:
Laut Experten sind mehr als 100 der rund 400 Bezirke des Landes entweder in der Hand der Taliban oder dauerhaft umkämpft. Die Zahl der zivilen Opfer war 2015 mit mehr als 11.000 Toten und Verletzten auf den höchsten Stand seit Beginn der internationalen Intervention gestiegen. 62 Prozent der Opfer seien von den Aufständischen verursacht worden, berichtete die UN.

Am Freitag hatte die Nato beschlossen, dass der aktuelle Einsatz in Afghanistan auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Im vergangenen Mai hatte die Nato noch erwogen, den aktuellen Militäreinsatz 2017 in eine zivile Mission umzuwandeln.

Für die Beratungs- und Ausbildungsmission "Resolute Support" stellen die Alliierten und ihre Partner aktuell rund 12 000 Soldaten zur Verfügung. Deutschland beteiligte sich zuletzt mit knapp 900 Bundeswehrsoldaten, das Bundestagsmandat erlaubt bis zu 980.

(dpa/AP/das/dafi)
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