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Afghanistan
Bombenanschlag auf Bundeswehrkonvoi in Kabul

Afghanistan: Bombenanschlag auf Fahrzeuge der Bundeswehr in Kabul
Am Flughafen Kabul qualmen noch die Wracks nach den Anschlägen. FOTO: dpa, ba bjw
Berlin/Kabul. Neben zwei weiteren Bombenanschlägen In der afghanischen Hauptstadt ist in Kabul auch ein Anschlag auf Fahrzeuge der Bundeswehr verübt worden. Wie die Bundeswehr am Montag mitteilte, wurde am Morgen ein Fahrzeugkonvoi "angesprengt".

Zwei deutsche Soldaten hätten "leichte Schleudertraumata" erlitten. Weiter hieß es, ein Fahrzeug sei beschädigt worden. Der Konvoi habe die Fahrt aber fortsetzen können. Die verletzten Soldaten würden behandelt.

Zuvor war Kabul am Montag von zwei Bombenexplosionen erschüttert worden. Bei einem Selbstmordanschlag auf der Zufahrtstraße zum internationalen Flughafen wurde außer dem Täter niemand getötet. Zudem detonierte nahe dem Flughafen am Abend eine Autobombe. Ob es dabei Tote oder Verletzte gab, war unklar.

Die Autobombe wurde in der Nähe eines Geländes gezündet, auf dem ausländische Unternehmer untergebracht sind, wie ein Vertreter der afghanischen Sicherheitskräfte sagte. Das Innenministerium machte zunächst keine Angaben über Tote oder Verletzte. Die italienische Hilfsorganisation Emergency erklärte, in dem von ihr betriebenen Krankenhaus in Kabul würden Opfer des Anschlags behandelt.

Nur Stunden zuvor hatte sich ein Selbstmordattentäter an einer Straße zum Flughafen in die Luft gesprengt. Er riss aber niemanden mit in den Tod. Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Am Freitag waren bei einer Attacke der radikalislamischen Taliban auf ein französisches Restaurant in Kabul zwei Menschen getötet worden.

Die Sicherheitslage in der Hauptstadt und weiten Teilen des Landes hatte sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Um eine weitere Destabilisierung durch die Taliban zu verhindern, verlängert die Nato ihre Präsenz am Hindukusch, die Bundeswehr ist an dem Einsatz mit bis zu 980 Soldaten beteiligt.

Im nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif war am Sonntag das indische Konsulat Ziel eines Angriffs geworden. Bewaffnete versuchten, das Konsulat zu stürmen und lieferten sich Kämpfe mit Sicherheitskräften. Die Angreifer verschanzten sich am Montag weiterhin in einem nahe dem Konsulat gelegenen Gebäude. Dort waren Schüsse und Explosionen zu hören.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff auf das indische Konsulat. In der Vergangenheit waren in Afghanistan immer wieder indische Ziele attackiert worden. Im August 2013 wurden bei einem Selbstmordanschlag auf das indische Konsulat in der östlichen Stadt Dschalalabad neun Zivilisten getötet, darunter sieben Kinder. 2008 wurden bei einem Autobombenanschlag auf die indische Botschaft in Kabul 60 Menschen getötet, 2009 wurde erneut ein Selbstmordanschlag auf die Botschaft verübt.

In Indien selbst war am Samstag ein Luftwaffenstützpunkt nahe der pakistanischen Grenze angegriffen worden. Sieben Soldaten und fünf Angreifer wurden bei den Kämpfen auf dem Gelände getötet. Zu dem Angriff bekannte sich die pakistanische Islamistengruppe Jaish-e-Mohammed, die für die Abspaltung der mehrheitlich muslimischen Bergregion Kaschmir von Indien kämpft. Der Angriff könnte die Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen Indien und Pakistan gefährden.

Indien unterstützt die afghanische Regierung, die ebenfalls angespannte Beziehungen zu Pakistan hat. Die Regierungen in Neu Delhi und Kabul werfen Islamabad vor, die radikalislamischen Taliban zu unterstützen, die gegen die vom Westen unterstützte afghanische Regierung kämpfen. Beobachter warnen immer wieder davor, dass Indien und Pakistan in Afghanistan einen Stellvertreterkrieg starten könnten.

In Pakistan hatte im Juli eine erste Runde von Friedensgesprächen mit den Taliban stattgefunden. Die späte Bestätigung des Tods von Taliban-Anführer Mullah Omar brachte die Verhandlungen jedoch wieder zum Stillstand.

(felt/dpa/AFP)
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