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Jung wirbt für Bundeswehreinsatz: "Afghanistan darf nicht wieder zurückfallen"

zuletzt aktualisiert: 21.10.2008 - 07:23

Berlin (RPO). Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wirbt nach dem tödlichen Anschlag auf zwei weitere Bundeswehrsoldaten in Afghanistan für eine Fortsetzung des Militäreinsatzes am Hindukusch. Ein Rückzug aus dem Land wäre ein großer Fehler, sagte der Minister am Montagabend in Berlin.

Er fügte hinzu: "Afghanistan darf nicht wieder zurückfallen in ein Ausbildungszentrum für den Terrorismus." Auch Politiker von SPD und Grünen warnten vor einem Abzug der Bundeswehr. Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven befürchtet bei einem deutschen Rückzug sogar das Ende der NATO-Strategie in Afghanistan.

Bei dem Selbstmordanschlag in der Nähe von Kundus kamen am Montag auch fünf afghanische Kinder ums Leben. Die beiden getöteten 22 und 25 Jahre alten Soldaten waren mit 160 deutschen und 30 afghanischen Soldaten sowie 20 Polizisten an einer Operation beteiligt, um ein Waffenlager auszuheben. Der Selbstmordattentäter hatte den Sprengsatz auf einem Fahrrad gezündet. Bei dem Anschlag wurden zwei weitere deutsche Soldaten und ein afghanisches Kind verletzt. Die Todesopfer gehörten dem Fallschirmjägerbataillon 263 aus Zweibrücken an. Zu der Tat hat sich die radikalislamische Taliban bekannt.

Jung nannte die Tat hinterhältig und feige und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. In der Region um Kundus gebe es einen "kritischen Bereich", sagte Jung. Deshalb habe man bereits Verstärkungskräfte nach Kundus geschickt. "Wenn wir den Terror nicht in Afghanistan bekämpfen, dann kommt er zu uns", sagte der Minister. Ziel sei es, die afghanische Regierung in die Lage zu versetzen, selbst für die Sicherheit im Land zu sorgen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt über die Tat: "Die Bundesregierung verurteilt diesen mörderischen Anschlag auf das Schärfste. Gemeinsam mit den afghanischen Behörden werden wir alles daran setzen, die Hintergründe aufzudecken und die Hintermänner zur Verantwortung zu ziehen", erklärte Steinmeier.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei warnt derweil vor einer Grundsatzdebatte über den Einsatz. "Es ist völlig falsch und unangebracht, bei jedem dieser schrecklichen Anschläge grundsätzliche wieder die Sinnfrage zu stellen", sagte er.

Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow. Der Bundestag habe vor zwei Wochen "einem weiteren Einsatz in Afghanistan zugestimmt. Es muss dabei bleiben, denn er dient auch der eigenen Sicherheit unserer Soldaten und der Zukunft des Landes", sagte Kolbow.

Nach Einschätzung Tophovens würden die Taliban einen deutschen Rückzug "als Sieg über den Westen, über die Ungläubigen interpretieren." Der Sicherheitsexperte fügte hinzu: "Es wäre auch das Ende der NATO, wenn hier keine gemeinsame NATO-Strategie verfolgt würde. Dann müssten ja gleichzeitig alle abziehen, die Amerikaner würden dies aber nicht tun."

Die deutsche Politik habe lange von einer "Friedensmission" gesprochen. Aber: "Es ist ein Kampfeinsatz, ein Krieg." Solle das Land wirklich stabilisiert werden, "dann müsste ein Vielfaches der heutigen Truppe dort sein, mindestens 200 000 internationale Soldaten".

Die Afghanistan-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, Citha Maaß, empfiehlt den Deutschen eine "Kontaktoffensive". Die Soldaten und Aufbauhelfer sollten auch mit den traditionellen Autoritäten, also Stammesältesten oder religiösen Führern ins Gespräch kommen und bei ihnen um Unterstützung werben.

Zugleich hält Maaß die Absetzung des Gouverneurs der Provinz Kundus, Engineer Mohammad Omar, für einen Beitrag zur Sicherheit der deutschen Soldaten. "Der Gouverneur wurde vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai entsandt und ist hoch korrupt", sagte sie. "Dass Attentätern Unterschlupf bereitgestellt wird, ist auf eine weit verbreitete Unzufriedenheit in der Bevölkerung zurück zu führen." Omar trage zu dieser Unzufriedenheit wesentlich bei.

Quelle: afp

 
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