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Lage nach sieben Jahren immer noch prekär: Afghanistan - die Fehler des Westens

zuletzt aktualisiert: 21.10.2008 - 16:11

Kabul (RPO). "Krieg" - das Wort will Verteidigungsminister Franz Josef Jung unbedingt vermeiden. Der CDU-Politiker spricht lieber von einer "asymmetrischen Bedrohungslage". Fest steht: Die Lage der Nato-Truppen in Afghanistan, darunter 3500 Bundeswehrsoldaten, ist prekär. Und die Erfolge bleiben aus.

Wie instabil die Situation im Land ist, das verdeutlichte auf traurige Weise der Anschlag vom Montag, als zwei deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder in den Tod gerissen wurden. Ein Selbstmordattentäter hatte sich den Truppen nahe Kundus auf einem Fahrrad genähert und dann eine Bombe gezündet. 

Patrouillen und Missionen zur Auffindung von Waffenlagern würden zwar verstärkt geschützt, aber "gegen solche hinterhältigen und feigen Anschläge" seien die Soldaten oft wehrlos, wenn sie nicht vorher Informationen erhielten, sagte Jung in Berlin.

Selbst Generäle räumen mittlerweile ein, dass der nun sieben Jahre andauernde Feldzug in Afghanistan allein militärisch nicht zu gewinnen sei. Vielmehr müsse man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen und so die Taliban an der Wurzel schwächen.

Dass die Radikalislamisten überhaupt wieder so stark geworden sind, hängt auch mit Versäumnissen des Westens zusammen. So wurde die Isaf-Truppe zunächst auf eine völlig unzureichende Stärke von 5000 Mann beschränkt und nur in der Hauptstadt Kabul eingesetzt. Dadurch konnten sich die Taliban in den anderen Regionen des Landes militärisch neu organisieren.

Der zweite Fehler des Westens bestand darin, den instabilen Süden des Landes mit seinen paschtunischen Stämmen zunächst von Wiederaufbauhilfen auszunehmen. Die Folge war, dass die Islamisten in diesen Gebieten leichtes Spiel hatten, Teile der unzufriedenen Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

Allein in diesem Jahr kamen bereits 220 ausländische Soldaten in Afghanistan um, zudem starben hunderte Zivilisten. Und je mehr Anschläge erfolgreich sind, desto weniger traut die afghanische Bevölkerung den westlichen Truppen zu, für ihre Sicherheit zu garantieren.

Um die Aufständischen entscheidend zu schwächen, wird nun darüber nachgedacht, Isaf-Soldaten im Süden des Landes gegen Drogenlabors der Taliban vorgehen zu lassen. Damit könnte die Geld-Zufuhr der Islamisten gestört werden. Ungefährlich dürften solche Einsätze aber ebenfalls nicht werden.


 
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