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Herausforderer spricht von Wahlbetrug: Afghanistan droht ein offener Machtkampf

zuletzt aktualisiert: 21.08.2009 - 19:25

Kabul (RPO). Nach der Präsidentenwahl in Afghanistan droht dem Land jetzt ein Machtkampf. Sowohl Amtsinhaber Hamid Karsai als auch sein Herausforderer Abdullah Abdullah reklamieren den Wahlsieg für sich. Schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse sprechen die Anhänger Abdullahs von Wahlbetrug. Die Wahlbeteiligung lag offenbar bei schwachen 40 bis 50 Prozent.

Im Lager Karsais hieß es, der Amtsinhaber liege bei der Stimmenauszählung mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent in Führung. Damit wäre keine Stichwahl nötig. "Davon gehen wir nach unseren ersten Erkenntnissen aus", sagte Karsais Wahlkampfsprecher Seddik Seddiki.

Die Stimmauszählung ist inzwischen zwar beendet, die Wahlzettel werden nach Angaben der Wahlkommission aber noch in die Hauptstadt Kabul gebracht. Das offizielle Ergebnis wird erst Anfang September bekanntgegeben. Die Wahlkampfteams der Kandidaten haben bereits eigene Zählungen durchgeführt, denen Angaben ihrer Beobachter in den Wahllokalen zugrunde liegen.

Karsai-Herausforderer Abdullah Abdullah fordert Neuwahlen. Foto: AP, AP

Abdullah erklärte, er liege trotz Unregelmäßigkeiten bei der Wahl in Führung. Sollten weder er noch Karsai 50 Prozent der Stimmen bekommen haben, sei er zu einer Stichwahl bereit. Abdullah beklagte, in verschiedenen Landesteilen seien Beobachter daran gehindert worden, die Wahlurnen zu überprüfen.

Abdullahs Team spricht von Wahlbetrug

In seinem Wahlkampfteam hieß es, es gebe Wahlbetrug in einigen südlichen Provinzen des Landes, wo Karsai vermutlich viele Stimmen erzielt hat. Die britische Zeitung "Times" berichtete am Freitag, in einem Wahllokal nahe Kabul seien in der ersten Stunde 5.530 Stimmen registriert worden. Ein Reporter der Zeitung sah dort bei der Öffnung um 08.00 Uhr aber keinen einzigen Wähler.

Das in den USA ansässige International Republican Institute (IRI), das rund 30 Wahlbeobachter nach Afghanistan geschickt hatte, erklärte am Freitag, die Standards seien diesmal niedriger gewesen als bei den Wahlen 2004 und 2005. Der Ablauf sei aber bisher zuverlässig gewesen.

Die radikalislamischen Taliban versuchten am Donnerstag, die Wahlberechtigten mit zahlreichen Anschlägen von der Stimmabgabe abzuhalten. Bei Gewalttaten kamen mindestens 26 Menschen ums Leben. Vor allem in den Taliban-Hochburgen im Süden des Landes blieben viele Menschen aus Angst zu Hause. Millionen gingen aber zu den Urnen, die Beteiligung war nach Angaben der Wahlkommission deutlich niedriger als bei der letzten Abstimmung 2004. Damals hatten sich 70 Prozent beteiligt.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung rechnet nach der Präsidentenwahl auch mit einer größeren Sicherheit für die deutschen Soldaten am Hindukusch. Er hoffe, dass es eine weitere Stabilisierung auch in "unserem Verantwortungsbereich" geben werde, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Er äußerte sich zufrieden über den Verlauf der Wahl, die im Grundsatz in einem relativ stabilen Umfeld stattgefunden habe. Fast jeder, der habe wählen wollen, habe auch wählen können.

Quelle: AP/csi

 
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