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Erste Attacke nach Machtwechsel
Neun Tote bei Angriffen der Taliban auf Polizei in Afghanistan

Afghanistan: Neun Tote bei Angriffen der Taliban auf Polizei
Ein Selbstmordattentäter jagte seinen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen bei einer Polizeistation in der Provinz Logar südlich von Kabul in die Luft. Sechs Menschen starben. FOTO: dpa, ba sw
Kabul. Erstmals seit dem offiziellen Machtwechsel an der Spitze der Taliban haben die Extremisten am Donnerstag eine Reihe von Anschlägen auf die afghanischen Sicherheitskräfte verübt und dabei neun Menschen getötet.

Am Morgen jagte ein Selbstmordattentäter seinen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen bei einer Polizeistation in der Provinz Logar südlich von Kabul in die Luft. Sechs Menschen starben. Bei Überfällen auf Polizisten in Kandahar starben später drei weitere Menschen.

Ein Vertreter der Provinzpolizei in Logar sprach von einer "gewaltigen Explosion". Demnach wurden drei Polizisten der Schnellen Eingreiftruppe und drei Zivilisten bei dem Anschlag getötet. Die Provinzregierung bestätigte das Attentat und erklärte, dabei seien auch acht Zivilisten verletzt worden, darunter ein Kind. Außerdem wurden Regierungsgebäude am Anschlagsort beschädigt.

Das afghanische Innenministerium erklärte, es handle sich um den ersten Selbstmordanschlag seit dem Machtwechsel an der Spitze der radikalislamischen Bewegung. Die Taliban hatten in der vergangenen Woche den Tod ihres langjährigen Anführers Mullah Omar bestätigt und Mullah Achtar Mansur zu ihrem neuen Chef bestimmt. Mansurs Nominierung ist innerhalb der Taliban umstritten.

In der südlichen Provinz Kandahar stürmten Taliban-Kämpfer am Donnerstagnachmittag bei koordinierten Attacken einen Kontrollpunkt der Polizei sowie eine Polizeistation. Dabei kam es zu Gefechten, bei denen drei Beamte starben. Zu allen drei Anschlägen bekannten sich die Taliban. Ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid behauptete dabei, der mit einer gewaltigen Ladung Sprengstoff bestückte Lastwagen in Logar habe "mehr als hundert Vertreter des Sicherheitspersonals getötet".

Präsident Aschraf Ghani verurteilte die "feigen" Taten. Die Tötung von unschuldigen Menschen sei ein "unverzeihliches Verbrechen", das mit keiner Religion gerechtfertigt werden könne, erklärte der Staatschef.

In der ebenfalls südlichen Provinz Sabul stürzte zudem am Donnerstag ein Militärhubschrauber ab. Dabei wurden nach Angaben der Armee 17 Menschen getötet, darunter zwölf Soldaten. Die Taliban erklärten, den Helikopter mit einem Raketenwerfer abgeschossen zu haben. Das Verteidigungsministerium sprach aber von "technischen Problemen" und schloss einen Anschlag aus. Die Provinzregierung sprach ebenfalls von technischem Versagen der Maschine. Zur Ursache des Absturzes wurden Ermittlungen eingeleitet.

Im Krisenstaat Afghanistan kommt es immer wieder zu Abstürzen von Hubschraubern und Flugzeugen. In der Vergangenheit hatten Taliban-Kämpfer dabei tatsächlich vereinzelt Hubschrauber abgeschossen. Vor vier Jahren brachten sie etwa einen US-Helikopter zum Absturz, dabei wurden 30 US-Soldaten getötet.

Unterdessen gab es vor dem Hintergrund des Streits um die Führung der Taliban weitere Rücktritte. Nachdem am Montag bereits der Leiter ihres politischen Büros in Katar, Tajeb Agha, zurückgetreten war, folgten am Donnerstag zwei weitere ranghohe Vertreter des Büros: Der frühere Diplomat Asis Rehman und Maulawi Nek Mohammed, der unter der Taliban-Herrschaft Vize-Minister war, zogen sich zurück.

Einige hohe Vertreter der Taliban, darunter der Sohn und der Bruder des verstorbenen Anführers Mullah Omar, hatten sich zuletzt geweigert, dem neuen Chef Gefolgschaft zu leisten. Sie betrachten die Ernennung Mansurs als überhastet und parteiisch und fordern eine Entscheidung islamischer Geistlicher in dem Führungsstreit.

(AFP)
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