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Miliz verübt Raketenangriff auf Schule kurz vor Karsai-Besuch: Afghanistan: Taliban erklären Präsidentenkandidaten den Krieg

zuletzt aktualisiert: 16.09.2004 - 19:12

Kabul (rpo). Die islamistischen Taliban verbreiten in Afghanistan wieder zunehmend Angst und Schrecken. Die Taliban-Miliz hat rund drei Wochen vor der Präsidentenwahl alle 18 Kandidaten zu Hauptzielen ihrer Angriffe erklärt. Derweil verfehlte eine Rakete den Präsidenten Hamid Karsai.

Zur Begründung sagte Taliban-Sprecher Abdul Latif Hakimi am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP, die aus Sicht der Miliz von den USA gesteuerte Wahl solle zu einer Regierung im Interesse Washingtons führen. Zuvor feuerten Unbekannte eine Rakete auf eine Schule im Südosten des Landes, in der Präsident Hamid Karsai kurz darauf einen Wahlkampfauftritt absolvieren sollte. Auch für diesen Angriff übernahm Latif die Verantwortung im Namen der Taliban. Karsai, der seinen Besuch unterbrach, spielte den Vorfall herunter.

Die Taliban riefen die afghanische Bevölkerung auf, die Wahl zu boykottieren, "weil das nicht die Regierung sein wird, die die Afghanen wollen", sagte Hakimi weiter. Daher sei auch Karsai angegriffen worden. Karsai habe "Glück gehabt, die Rakete hat ihn verfehlt". Es habe sich um eine Rakete mit Zeitsteuerung gehandelt. Wegen Zeitproblemen hätten nicht mehr Geschosse abgefeuert werden können. Derartige Angriffe würden sich in Zukunft wiederholen, betonte Hakimi.

Präsident spielt den Vorfall hinunter

Bei dem Vorfall nahe Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, wurde nach Polizeiangaben niemand verletzt. Die Rakete, die offenbar aus der Nachbarprovinz Ghasni abgefeuert wurde, schlug rund zwei Kilometer von der Schule entfernt ein. Beide Provinzen gelten als Hochburgen von Taliban-Anhängern. Karsais Hubschrauber befand sich zu dem Zeitpunkt des Angriffs im Landeanflug auf Gardes und kehrte unmittelbar nach dem Vorfall nach Kabul zurück. Karsai wollte in der Schule eine Rede halten.

Vor Journalisten in Kabul spielte der Präsident nach seiner Rückkehr den Vorfall herunter. Seine US-Sicherheitsleute hätten "wirklich viele Vorkehrungen ohne Grund getroffen, da war gar nichts". In Anspielung auf ein afghanisches Sprichwort scherzte Karsai, die Rakete habe so viel Schaden angerichtet "wie die Pfoten einer Katze". Er selbst bedaure sehr, viele tausend wartende Menschen im Stich gelassen zu haben: "Wir hätten landen und unser Programm fortsetzen sollen." Das nächste Mal werde er "geheim" in den Südosten des Landes reisen.

Taliban-Kämpfer hatten angekündigt, die Präsidentschaftswahl am 9. Oktober massiv stören zu wollen. Ende August bekannten sie sich zu einem Anschlag auf eine US-Sicherheitsfirma, die das Wachpersonal Karsais stellt. Dabei starben mindestens neun Menschen.

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen für Karsai

Die Sicherheitsvorkehrungen für Karsai waren verstärkt worden, seit bei einem Attentatsversuch auf den Präsidenten im September 2002 drei Menschen getötet wurden. Im Gegensatz zu seinen 17 Mitbewerbern verlässt der von den USA unterstützte Übergangspräsident seinen Palast in der Hauptstadt Kabul wegen der prekären Sicherheitslage äußerst selten.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) erklärte in Kabul, die Rückführung afghanischer Flüchtlinge aus dem Iran wieder aufnehmen zu wollen. Rund 1600 Flüchtlinge warteten demnach auf der iranischen Seite der Grenze.

Das UNHCR hatte seine Tätigkeit am Montag aus Sicherheitsgründen unterbrochen, nachdem es am Wochenende wegen der Absetzung des einflussreichen Gouverneurs der westafghanischen Provinz Herat, Ismail Khan, zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen war. Dabei hatten mehrere hundert Demonstranten in der Provinzhauptstadt Herat zwei Gebäude der Vereinten Nationen angegriffen. Mindestens vier Menschen kamen bei den Unruhen ums Leben, mehr als 50 weitere wurden verletzt.

Quelle: afp

 
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