Zehntausende Hisbollah-Anhänger: Ahmadinedschad im Libanon bejubelt
zuletzt aktualisiert: 14.10.2010 - 06:45Beirut (RPO). Begeistert gefeiert von zehntausenden Anhängern der radikalislamischen Hisbollah-Miliz hat Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad den Libanon besucht. Ahmadinedschad lobte am Mittwoch in der Hauptstadt Beirut den "Widerstand", den die Libanesen gegen seinen Erzfeind Israel leisteten. US-Außenministerin Hillary Clinton warnte den iranischen Präsidenten vor dem Versuch, den Libanon zu destabilisieren.
Ahmadinedschad wurde am Flughafen in Beirut von zwei Ministern der an der Regierung beteiligten Hisbollah empfangen. Zehntausende Menschen begrüßten den iranischen Staatschef anschließend entlang der Straße vom Flughafen in die Stadt. Sie warfen Reis und Blumen auf den Weg des iranischen Staatschefs und schwenkten iranische und libanesische Flaggen. Der Iran unterstützt die schiitische Hisbollah traditionell im Kampf gegen Israel.
"Wir unterstützen die Kräfte des Widerstandes des libanesischen Volkes gegen das zionistische Regime", sagte Ahmadinedschad mit Blick auf Israel bei einer Pressekonferenz mit Libanons Präsident Michel Suleiman. "Wir haben gemeinsame Interessen und Feinde." Der Kampf der Hisbollah im Krieg von 2006 gegen Israel im Süden des Landes sei "eine Quelle des Stolzes für die Libanesen, aber auch für die gesamte Region". Israel hatte es vor vier Jahren nicht geschafft, die Hisbollah zu besiegen, die damals mehr als 4000 Raketen auf das nördliche Grenzgebiet des jüdischen Staates abgeschossen hatte.
Am Abend trat Ahmadinedschad gemeinsam mit Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah vor zehntausenden Anhängern im El Raja Stadion im Süden Beiruts auf. Nasrallah stellte in einer Rede das Existenzrecht Israels in Frage: Der iranische Präsident habe die Wahrheit gesagt, als er Israel als "illegitimen Staat" bezeichnet habe, der "verschwinden" müsse, sagte der Hisbollah-Chef. Ahmadinedschad sagte, dass "keine Macht" das "zionistische Regime" vor den Gegnern im Libanon und anderswo schützen könne.
Die USA wiesen jeden Versuch zurück, "die Spannungen im Libanon anzuheizen", sagte Clinton bei einem Besuch im Kosovo. "Wir sind sehr entschlossen, die libanesische Regierung zu unterstützen, die vor mehreren Herausforderungen steht." Das innere Gleichgewicht im Libanon müsse gewahrt bleiben, sagte Clinton in Pristina, ohne auch nur ein einziges Mal den Namen Ahmadinedschads auszusprechen.
Es ist der erste Besuch des iranischen Präsidenten im Libanon seit seiner Wahl im Jahr 2005. Die USA und Israel hatten gegen die zweitägige Visite protestiert. Der Besuch hat auch im Libanon Kritik ausgelöst: Das pro-westliche Lager wirft Ahmadinedschad vor, sich in innere Angelegenheiten einzumischen und das Land zu einer "iranischen Basis" vor den Toren Israels machen zu wollen.
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