Atomstreit: Ahmadinedschad nennt Angebot "Schritt nach vorne"
zuletzt aktualisiert: 16.06.2006 - 14:27Schanghai/Washington (rpo). Irans Präsident Ahmadinedschad hat sich positiv über das Angebot der UN-Vetomächte und Deutschlands im Atomstreit geäußert. Es sei ein "Schritt nach vorne".
"Ich habe meine Kollegen angewiesen, es genau zu prüfen", sagte Ahmadinedschad am Freitag in Schanghai nach einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Jintao forderte den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Nach Angaben Washingtons enthält das Angebotspaket an den Iran vor allem Anreize und keine Drohungen.
Teheran werde in "angemessener Zeit" eine Antwort geben, sagte Ahmadinedschad. Er bekräftigte, dass sein Land keine Atomwaffen entwickeln wolle. In einer Spitze gegen die USA erwähnte Ahmadinedschad "egoistische und kriegsgesinnte Länder", die ihre "Haltung korrigieren müssen, um in der künftigen Welt einen Platz zu haben". Nach den Worten von Irans Vizeaußenminister Abbas Arakschi sieht Teheran "viele positive Punkte" in dem Angebot und ist zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit. Am Vortag hatte der geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei noch gesagt, der Iran werde sich dem internationalen Druck nicht beugen.
Hu bezeichnete das Angebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands als eine "neue Chance für eine Lösung des Problems", wie Xinhua meldete. "Wir hoffen, dass der Iran das Angebot ernsthaft prüft, positiv antwortet und rasch die Verhandlungen wieder aufnimmt." Beim Gespräch zwischen Hu und Ahmadinedschad sei es nicht um mögliche Sanktionen gegangen. Ahmadinedschad sagte, weil seine Regierung das Prinzip Sanktionen nicht akzeptiere, habe auch keine Veranlassung bestanden, über etwaige Sanktionen zu reden.
USA: Positiver Weg für Teheran
Der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident George W. Bush betonte den Anreizcharakter des Angebots. "Das Augenmerk liegt zum jetzigen Zeitpunkt natürlich darin zu versuchen, der iranischen Regierung einen positiven Weg aufzuzeigen", sagte Stephen Hadley am Donnerstag vor Journalisten in Washington. Es sei jedoch "klar", dass es auch einen "anderen Weg" gebe, der für die Führung in Teheran "Konsequenzen" haben werde.
Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen Teheran nachdrücklich zu einer baldigen positiven Antwort auf Angebot aufrufen. Der Iran solle dabei die Voraussetzungen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen schaffen, heißt es in dem Entwurf für die Abschlusserklärung des Brüsseler Gipfels. Teheran soll aufgefordert werden, "diese Chance zu nutzen". Nach dem vom österreichischen Ratsvorsitz vorgelegten Entwurf soll sich der Gipfel weiter für eine diplomatische Lösung einsetzen. Das Recht Irans auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie im Sinne des Atomwaffensperrvertrags soll dabei bestätigt werden.
Die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen - Frankreich, Großbritannien, China, Russland und die USA - sowie Deutschland hatten dem Iran am Dienstag vergangener Woche ein Angebot vorgelegt, um die islamische Republik dazu zu bewegen, die Urananreicherung auszusetzen. Einzelheiten der Offerte waren nicht veröffentlicht worden.
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