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Atomstreit: Ahmadinedschad weist EU-Vorschlag brüsk zurück

zuletzt aktualisiert: 17.05.2006 - 10:01

Wien (rpo). Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad will von den Versuchen der EU, den Atomstreit beizulegen, nichts wissen. Er wies den Vorschlag der EU, dem Land beim Bau eines Leichtwasserreaktor behilflich zu sein, brüsk zurück und verspottet die Europäer.

"Denkt ihr, ihr habt es mit einem vierjährigen Kind zu tun, dem ihr Walnüsse und Schokolade geben könnt und dafür Gold bekommt?", sagte Ahmadinedschad bei einer Kundgebung vor Tausenden von Menschen im Zentrum Irans.

Die EU hatte zuvor vorgeschlagen, der Iran könne bei einem Verzicht auf die Urananreicherung möglicherweise einen Leichtwasserreaktor erhalten. Das Angebot sei Teil der Beratungen der EU-Dreiergruppe aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich, verlautete aus diplomatischen Kreisen am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Die USA äußerten sich höchst skeptisch über diese Idee.

Die Diplomaten der Europäischen Union erstellen zurzeit eine Liste mit konkreten Angeboten an die Regierung in Teheran zur Lösung des Atomstreits. Die Vorschläge sollen am Freitag den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vorgelegt werden. Die Beratungen seien aber noch nicht abgeschlossen, hieß es. Ein französischer Diplomat betonte, der Iran werde mit Sicherheit keinen kompletten Leichtwasserreaktor erhalten. Es gehe hier eher um ein Ausloten von Interessen und Möglichkeiten für eine Einigung.

Ein Leichtwasserreaktor gilt als weniger geeignet, um für die Produktion von Atomwaffen missbraucht zu werden. Beim Betrieb eines Schwerwasserreaktors, wie der Iran ihn zurzeit in der Stadt Arak baut, entsteht hingegen Plutonium. Gleichwohl benötigt auch die leichtere Variante angereichertes Uran für den Betrieb. Deshalb sei es äußerst fragwürdig, den Iran auf diese Weise zu unterstützen, betonte ein US-Diplomat.

USA halten nichts von EU-Vorschlag

Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton schien sich zunächst allerdings nicht kategorisch gegen ein solches Angebot zu wenden. Das Gesamtpaket an Teheran werde viele Elemente von "Zuckerbrot und Peitsche" enthalten, erklärte er. Er wolle sich erst äußern, wenn er alle Einzelheiten kenne.

Rund 70 Prozent der Amerikaner glauben laut einer Umfrage, dass der Iran mit seinem Atomprogramm militärische Ziele verfolgt. Mehr als die Hälfte befürchtet, dass die USA in der Angelegenheit zu lange warten werden. Allerdings ist eine breite Mehrheit der Befragten gegen militärische Aktionen: Knapp zwei Drittel sprachen sich für Wirtschaftssanktionen aus - entweder durch die Vereinten Nationen oder durch eine Gruppe großer Nationen.

Russland und China bekräftigten unterdessen ihre ablehnende Haltung zum Einsatz militärischer Mittel im Konflikt mit dem Iran. Der Streit müsse auf diplomatischem Weg beigelegt werden, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag nach einem Treffen mit Vertretern der chinesischen Regierung in Peking. "Russland und China werden der Anwendung von Gewalt nicht zustimmen", ergänzte er. Beide Staaten haben als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat ein Veto-Recht.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich der Atomprogramme von Nordkorea und Iran. Bei einem Besuch in Seoul sagte Annan, die atomare Frage sei das mit Abstand wichtigste Thema und solle in Gesprächen vorrangig behandelt werden. "Bis vor kurzem haben wir uns auf Nordkorea konzentriert. Heute haben wir auch Iran", sagte Annan. Die internationale Gemeinschaft müsse sich dringend dieser Themen annehmen.

Quelle: ap

 
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