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Fast 70 Opfer bei neuen Kämpfen
Der letzte Kinderarzt von Aleppo ist tot

Aleppo: Der letzte Kinderarzt der Stadt ist tot
Auch Kinder sollen unter den Opfern sein FOTO: afp
Genf/Aleppo. Trotz Waffenruhe sind in Syrien die Kämpfe  wieder dramatisch aufgeflammt. Bei Angriffen von Regierungstruppen und Aufständischen wurden in Aleppo fast 70 Menschen getötet. Unter den Toten befindet sich angeblich auch der letzte Kinderarzt der Stadt.

Allein in der Nacht seien durch Angriffe der Regierungstruppen auf ein Krankenhaus und einen Wohnkomplex im Viertel Sukkari 30 Menschen getötet worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Der Bezirk wird von den Rebellen gehalten. Unter den Toten waren demnach auch der letzte in den Rebellenvierteln praktizierende Kinderarzt sowie ein Zahnarzt und drei Krankenschwestern.

Am Donnerstagvormittag dann gab es in beiden Teilen der umkämpften Stadt sowohl neue Angriffe der Regierungstruppen als auch der Rebellen auf gegnerische Viertel. Dabei wurden insgesamt 38 Zivilisten getötet, wie die in dem Bürgerkriegsland umfangreich vernetzte Beobachtungsstelle mitteilte. Die Angaben der Organisation sind allerdings von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Brüchige Waffenruhe

Eigentlich gilt seit Ende Februar eine Feuerpause zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Nachdem die Waffen zunächst weitgehend geschwiegen hatten, waren vor allem in Aleppo die Kämpfe zuletzt wieder aufgeflammt. Ausgenommen von der Waffenruhe sind Angriffe auf Extremisten.

Wie die regierungsnahe Zeitung "Al-Watan" am Donnerstag berichtete, bereitet die Regierung eine Großoffensive zur kompletten Rückeroberung von Aleppo und Umgebung vor. Die einstige Wirtschaftsmetropole ist seit Jahren geteilt. In einem Leitartikel hieß es, es sei nun "an der Zeit, eine Schlacht zur kompletten Befreiung von Aleppo zu beginnen". Es sei auch "kein Geheimnis", dass die syrische Armee die Offensive gemeinsam mit ihren Verbündeten vorbereite.

Das zerstörte Aleppo steht im Zentrum der Kämpfe FOTO: afp

Aus dem Umfeld der syrischen Führung verlautete ebenfalls, die Armee bereite eine Offensive vor, die schon "in den kommenden Tagen" beginnen könne. Ziel sei es, die Stadt einzukreisen und eine Sicherheitszone zu errichten und so die Rebellen aus Aleppo zu vertreiben, sagte ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Sondergesante will Waffenruhe wiederbeleben

Der UN-Gesandte de Mistura forderte in der Nacht zum Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Genf, die Waffenruhe "dringend wiederzubeleben", bevor im Mai die nächste Runde der Friedensgespräche beginne. Washington und Moskau müssten mit einer neuen Initiative auf höchster Ebene für eine Einhaltung der Waffenruhe sorgen, sagte de Mistura. Zuvor hatte er den UN-Sicherheitsrat über den Stand der Verhandlungen informiert.

Einen genauen Termin für die Fortsetzung der Genfer Gespräche wolle de Mistura erst festlegen, wenn die Waffenruhe wieder eingehalten werde. Die Friedensgespräche zwischen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und der Opposition unter UN-Vermittlung waren angesichts der erneuten Kämpfe ins Stocken geraten.

(crwo/AFP)
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