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Alexis Tsipras gegen Evangelos Meimarakis
"Die Griechen werden eine Kampfregierung wählen"

Showdown in Athen: Ein Blick in die Gesichter
Showdown in Athen: Ein Blick in die Gesichter FOTO: dpa, op uw
Athen. Heute wählt Griechenland. Es wird spannend. Auch weil auf die Demoskopen zuletzt kein Verlass war. Hoffnung auf spürbare Besserung verspürt kaum jemand. Alexis Tsipras spult Kampf-Rhetorik ab. Vor allem er muss die Nichtwähler fürchten. 

Einen Monat nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Alexis Tsipras hat die griechische Bevölkerung am Sonntag über die Zusammensetzung des künftigen Parlaments abgestimmt. Die Wahllokale öffneten um 07.00 Uhr Ortszeit (06.00 Uhr MESZ) und sollten um 19.00 Uhr Ortszeit schließen. Umfragen ließen ein enges Rennen zwischen der linken Syriza-Partei des zurückgetretenen Regierungschefs und der konservativen Nea Dimokratia (ND) erwarten.

Die Parlamentswahl vom Sonntag ist der fünfte Wahlgang seit 2010. Allein in diesem Jahr waren die Griechen bereits zum dritten Mal zur Stimmabgabe aufgerufen - nach einer Parlamentswahl im Januar und einer Volksabstimmung über die internationalen Sparauflagen im Juli. Es müsse damit gerechnet werden, dass der Anteil der Nicht-Wähler bei 40 Prozent liege, sagte der Leiter des Meinungsforschungsinstituts Marc, Thomas Gerakis. "Wer auch immer gewählt wird, das Ergebnis bleibt gleich", sagte der Pensionär Yiannis. "Griechenland hat sich seit jeher Geld geliehen - es wird leiden, solange das so weitergeht."

In letzten Umfragen lag Syriza zwischen 0,7 und 3,0 Prozentpunkten vor der ND, doch gelten die Befragungen nach den Erfahrungen der Vergangenheit als wenig zuverlässig. Beim Referendum über die Sparauflagen sagten die Demoskopen ein knappes Ergebnis vorher. Tsipras holte einen Erdrutschsieg. Zumindest eins ist sehr wahrscheinlich: Wohl keine der beiden Parteien wird eine absolute Mehrheit erreichen, so dass eine Koalitionsregierung notwendig werden dürfte.

Tsipras zeigte sich zuversichtlich, die Neuwahl für sich entscheiden zu können. Die Griechen würden "ihre Zukunft in die Hände nehmen" und den Übergang in eine "neue Ära besiegeln", sagte er nach der Abgabe seiner Stimme im Arbeiterbezirk Kypseli in Athen. Die Griechen würden eine "Kampfregierung" wählen, die zu Reformen bereit sei.

Tsipras hatte mit seinem Rücktritt im August den Weg für die vorgezogenen Neuwahlen freigemacht, nachdem ihm im Streit um die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern ein Teil seiner Partei die Gefolgschaft verweigert hatte. Der linke Flügel, der nach der Abspaltung von Syriza die Partei Volkseinheit gründete, wirft Tsipras vor, sich trotz anders lautender Wahlversprechen den Spar- und Reformforderungen der Kreditgeber gebeugt zu haben.

Tsipras' Herausforderer, der frühere Verteidigungsminister Evangelos Meimarakis, entwickelte sich in der Nea Dimokratia in kurzer Zeit zum Hoffnungsträger. Die Konservativen lagen in den Meinungsumfragen zuletzt nahezu gleichauf mit Syriza. So könnte auch dem 61-jährigen Meimarakis der Sprung an die Regierungsspitze gelingen. Er warf Tsipras im Wahlkampf vor, das Land in den sieben Monaten seiner Regierungszeit endgültig herabgewirtschaftet zu haben.

Syriza war bei der Parlamentswahl im Januar mit 36,3 Prozent mit dem Versprechen stärkste Kraft geworden, die schmerzhafte Sparpolitik zu beenden. Im Juli schloss er dann aber trotz eines Nein-Votums der Bevölkerung ein Abkommen mit den Geldgebern, um neue Finanzhilfen in Höhe von 86 Milliarden Euro zu erhalten. Dies kostete ihn viel Zustimmung, während sein Herausforderer Meimarakis deutlich an Beliebtheit zulegte.

Griechenland hat mit einer Quote von mehr als 25 Prozent die höchste Arbeitslosigkeit in der Eurozone. "Meine beiden Kinder sind arbeitslos und leben von meiner Rente", sagte der frühere Ingenieur Nikos. Die Rente sei aufgrund diverser Sparprogramme der vergangenen Jahre von 1200 auf 750 Euro gesenkt worden. Er hoffe auf "bessere Tage", sei aber nicht zuversichtlich, dass diese kämen.

Es wurde erwartet, dass ein großer Teil der früheren Syriza-Wähler diesmal ins Lager der Nichtwähler abwandert. Die Partei mit dem höchsten Stimmenanteil erhält nach dem griechischen Wahlrecht 50 Extramandate als Bonus und hat damit eine gute Ausgangsbasis zur Bildung einer Koalitionsregierung.

(AFP)
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