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Irakischer Ministerpräsident unter Druck: Allawi-Verwandten droht Ermordung

zuletzt aktualisiert: 10.11.2004 - 17:55

Bagdad/Falludscha (rpo). Im Irak nimmt die Eskalation der Gewalt kein Ende. Der Cousin von Ministerpräsident Ijad Allawi und seine Schwiegertochter sind aus ihrem Haus in Bagdad entführt worden. Eine islamistische Gruppierung hat sich zu der Tat bekannt und fordert ein Ende der US-Offensive in Falludscha. Unterdessen wurden offenbar "Schlachthäuser für Geiseln" entdeckt.

Der irakische Regierungschef Ijad Allawi ist durch die Entführung von zwei seiner Verwandten im Irak unter Druck geraten. Eine radikalislamische Gruppe drohte am Mittwoch mit der Ermordung der Geiseln, sollte die Offensive auf Falludscha nicht binnen 48 Stunden gestoppt werden. Die Regierung werde sich von "terroristischen Verbrechern" nicht in ihrem Anti-Terror-Kampf beirren lassen, kündigte ein Sprecher Allawis an. Die US-Armee rechnete damit, Falludscha binnen 48 Stunden vollständig einzunehmen. Sie kontrollierte nach eigenen Angaben bereits fast drei Viertel der Stadt. Bewaffnete Rebellen besetzten große Teile der nordirakischen Stadt Mossul.

Laut Allawis Sprecher sind der 75-jährige Cousin des Regierungschefs, Ghasi Allawi, und dessen Schwiegertochter seit Dienstagabend in der Gewalt von Entführern. Ein Sprecher von Allawis Partei hatte zuvor gesagt, auch die Ehefrau des Cousins sei verschleppt worden. Eine bislang unbekannte Gruppe namens "Gruppe der Dschihad-Partisanen" bekannte sich im Internet zu der Tat.

"Schlachthäuser für Geiseln" entdeckt

Irakische Truppen haben nach eigenen Angaben in Falludscha "Schlachthäuser für Geiseln" entdeckt. Die Häuser befänden sich im nördlichen Teil der Stadt, wo die US-Soldaten bei ihrer Offensive den stärksten Widerstand erwartet hatten. Außerdem seien schwarze Kleidungsstücke der Kidnapper und hunderte CDs sowie Listen mit Namen von Geiseln gefunden worden, erklärte Generalmajor Abdul Kader Mohammed Dschassem Mohan, der Kommandeur der an der Offensive beteiligten irakischen Truppen, vor Journalisten in der Nähe von Falludscha.

"Wenn alles wie geplant verläuft, werden wir binnen 48 Stunden die Kontrolle über die Stadt haben", sagte ein US-Offizier in Falludscha. Das Militär habe bereits 70 Prozent von Falludscha unter Kontrolle. Die Rebellen hätten sich im Süden der Stadt neu gruppiert. Es gebe jedoch Anzeichen, dass "zahlreiche" Rebellen aufgeben wollten, sagte Allawis Sprecher. Die Regierung wolle jenen Rebellen eine Amnestie gewähren, die keine schweren Verbrechen begangen hätten.

Die US-Armee setzte unterdessen ihren Vorstoß in der Widerstandshochburg unvermindert fort. Irakische Truppen entdeckten dabei nach eigenen Angaben im Norden Falludschas mehrere Häuser, in denen ausländische Geiseln gefangen gehalten und ermordet wurden. Sie hätten auch die schwarze Kleidung gefunden worden, die die Geiselnehmer in mehreren veröffentlichten Videos trugen, sowie hunderte CD-ROM und Register mit Namen, sagte der Sprecher des gemeinsamen US-irakischen Einsatzes, Generalmajor Abdul Kader Mohan.

Seit Beginn der Großoffensive in Falludscha am Montagabend wurden bei den Kämpfen nach US-Angaben mindestens elf US-Soldaten und zwei irakische Soldaten getötet. Auch zahlreiche Rebellen seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Zu möglichen Opfern unter der Bevölkerung gab es keine Angaben.

Fünf Menschen in Mossul getötet

Bei Zusammenstößen in der nordirakischen Stadt Mossul wurden am Mittwoch fünf Menschen getötet, wie die irakische Polizei und die US-Armee mitteilten. Unter den Toten waren auch drei irakische Polizisten. Die Polizeikräfte von Mossul verbarrikadierten sich auf ihrer Wache, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. In den Straßen waren schwerbewaffnete Männer zu sehen. Zuvor hatten sich US-Soldaten und Aufständische Gefechte im Ostteil geliefert. Das Gouverneursamt von Ninive verhängte eine Ausgangssperre über Mossul.

Auch in Baidschi 200 Kilometer nördlich von Bagdad wurde eine Ausgangssperre verhängt, nachdem dort bis Mittwochmittag binnen 24 Stunden zehn Menschen bei Kämpfen getötet und rund 30 weitere verletzt worden waren. Dennoch kam es am Nachmittag zu Zusammenstößen zwischen US-Soldaten und Aufständischen.

Bei Angriffen in Samarra und Baakuba nördlich von Bagdad wurden mindestens vier Menschen getötet. Bei Bombenanschlägen in der Ortschaft Tus im Norden des Irak kamen sechs Mitglieder der Nationalgarde ums Leben. Wegen der anhaltenden Gewalt verlängerte Allawi die Sperrung des seit Montag geschlossenen internationalen Flughafens von Bagdad um weitere 24 Stunden.

Dänemark will seine rund 500 im Irak stationierten Soldaten nicht abziehen. Am Vorabend einer Parlamentsdebatte über eine Mandatsverlängerung sagte Regierungschef Anders Fogh Rasmussen in Kopenhagen, das dänische Kontingent solle in der Region um Basra unter britischem Kommando bleiben.


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