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Urteil in Moskau
Alle Angeklagten im Mordfall Nemzow schuldig gesprochen

Alle Angeklagten im Mordfall Boris Nemzow schuldig gesprochen
Die Angeklagten im Gericht in Moskau (Archiv). FOTO: dpa, VG lof
Moskau. Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an dem russischen Oppositionellen Nemzow sind die fünf Angeklagten für schuldig befunden worden. Die Männer hatten die Vorwürfe bestritten.

Im Prozess um die Ermordung des russischen Oppositionellen Boris Nemzow sind die fünf Angeklagten für schuldig befunden worden. Zu dieser Entscheidung kamen die zwölf Geschworenen am Donnerstag im Moskauer Militärgericht, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das Strafmaß legt das Gericht in den nächsten Tagen fest. Die aus Tschetschenien und Inguschetien stammenden Angeklagten hatten sich für unschuldig erklärt.

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Die fünf aus Tschetschenien stammenden Angeklagten hätten die Tat ausgeführt, urteilten die Geschworenen nach Angaben der Agentur Tass. Die Anklage hatte dem Todesschützen, einem Ex-Polizisten, sowie dem Fahrer des Fluchtwagens und drei Komplizen einen Auftragsmord vorgeworfen. Nemzows Familie vermutet die Hintermänner in der tschetschenischen Führung.

Die Angeklagten verdienten "keine Nachsicht", erklärten die Geschworenen am Donnerstag. Der Jury hatten 26 Einzelfragen zur Schuld der Angeklagten vorgelegen. Sie berieten drei Tage lang, bevor sie sich auf ein Urteil einigten. Das Verfahren war im Oktober 2016 eingeleitet worden.

Prominenter Widersacher Putins

Nemzow, ehemaliger Vizeregierungschef und Kremlkritiker, war am 27. Februar 2015 nachts erschossen worden, als er und seine Begleiterin über eine Brücke in der Nähe des Kremls in Moskau liefen. Das Verbrechen in unmittelbarer Entfernung zum russischen Machtzentrum erschreckte Anhänger der Opposition. Nemzow war einer der prominentesten Widersacher von Präsident Wladimir Putin und ein scharfer Kritiker von dessen Ukraine-Politik.

Fakten: Diese Putin-Gegner starben einen gewaltsamen Tod FOTO: dpa, ukit ks

Oppositionelle Aktivisten haben die russische Regierung dafür kritisiert, dass sie den Drahtzieher des Attentats nicht aufgespürt haben. Als Auftraggeber wurde im Dezember 2015 der Tschetschene Ruslan Muchudinow identifiziert, doch ist dieser weiter flüchtig. Den Ermittlern zufolge erhielten die Täter von Muchudinow 15 Millionen Rubel (rund 217.000 Euro) für den Mord. 

Viele Freunde Nemzows sehen als eigentlichen Auftraggeber den autoritären tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow oder jemanden aus seinem Umfeld. Anfang Dezember hatte die russische Justiz jedoch die Forderung zurückgewiesen, Kadyrow als Zeugen vorzuladen

(wer/dpa/AFP)
 
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