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Internationale Flüchtlingskrise
Amnesty wirft der Welt klägliches Versagen vor

Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt
Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt FOTO: afp, MM
London. Sie überwinden meterhohe Zäune, klettern über Absperrungen aus Stacheldraht oder setzen ihre letzte Hoffnung in verrostete Boote von skrupellosen Schleppern. Amnesty International spricht von der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Von Dana Schülbe

Weltweit mussten laut Amnesty International mehr als 50 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen, allein vier Millionen sind es in Syrien. Die Menschenrechtsorganisation spricht von der schlimmsten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Und das zeigt sich derzeit an vielen Stellen in Europa. 

Es sind dramatische Bilder, die seit Sonntag von der syrisch-türkischen Grenze kommen: Tausende Syrer fliehen vor den Gefechten um Tell Abjad, das inzwischen unter Kontrolle der Terrormiliz IS ist. Tagelang hatte die Türkei die Grenze geschlossen gehalten, sie aber mit den zunehmenden Gefechten doch geöffnet. Seither klettern Männer, Frauen, Kleinkinder über die Zäune – auch manches Baby ist unter den Flüchtenden – in die Türkei. Seit Beginn des Bürgerkrieges sind Millionen Menschen aus dem Land geflohen, mit dem Terror durch den IS werden es noch mehr.

Dramatische Bilder von der türkisch-syrischen Grenze FOTO: afp, nb

Und insbesondere Länder wie die Türkei, Jordanien, der Libanon, aber auch der Irak und Afghanistan müssen mit den massiven Flüchtlingsströmen zurecht kommen. 95 Prozent der geflohenen Syrer leben laut Amnesty International in diesen Ländern. Doch viele wollen weiter: Von der Türkei oder auch direkt von Nordafrika aus versuchen sie, in die Europäische Union zu kommen. Tausende Menschen starben bereits bei dem Versuch, mit dem Boot über das Mittelmeer nach Italien oder auch Griechenland zu kommen. 2014 waren es laut Amnesty International rund 3500 Menschen, in diesem Jahr sind es schon 1865.

Amnesty International erhebt denn auch den Vorwurf, die internationale Gemeinschaft habe "bislang kläglich versagt" in der aktuellen Flüchtlingskrise.  "Die Flüchtlingskrise ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, aber die internationale Gemeinschaft hat auf beschämende Weise versagt", heißt es dort. Tatsächlich aber versuchen die EU-Länder gerade Lösungen zu finden, wie sie dem massiven Flüchtlingsstrom begegnen können. Denn normalerweise gilt die Regel, dass sich das Land, in dem die Flüchtlinge ankommen, auch um diese kümmern muss. Das aber überfordert derzeit Länder wie Italien und Griechenland. 

Flüchtlinge auf der griechischen Urlaubsinsel Kos FOTO: ap

Besonders deutlich wird das derzeit an der Grenze zwischen Italien und Frankreich. Am Grenzübergang Ventimiglia harren derzeit rund 200 Flüchtlinge aus und wollen nach Frankreich einreisen. Französische Gendarmen sagten aber, sie hätten Anweisungen, die Migranten nicht über die Grenzen zu lassen. Und auch das Innenministerium in Paris verteidigte dieses Vorgehen mit eben jenem Verweis, dass die Flüchtlinge zuerst in Italien angekommen seien.

Italiens Innenminister wiederum spricht von einem "Schlag in Europas Gesicht". Im Sender Rai3 sagte er: "Das ist der Beweis, dass sie nicht in Italien bleiben wollen. Sie wollen nach Europa und betrachten unser Land als Transitland." 

Schiffsunglücke: Erneute Flüchtlingsdramen im Mittelmeer FOTO: dpa, hpl

Dass die Flüchtlinge überhaupt an der Grenze von Gendarmen zurückgehalten werden können, liegt übrigens am G7-Gipfel von Elmau. Denn normalerweise gibt es im Schengenraum keine Grenzkontrollen mehr, im Zuge des Gipfels aber waren sie zwischenzeitlich wieder aufgenommen worden.

mit Agenturmaterial

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