Wahl im Iran: Analyse stärkt Zweifel an Wahlergebnissen
zuletzt aktualisiert: 22.06.2009 - 06:37London (RPO). Die britische Denkfabrik Chatham House hat bei einer Analyse der offiziellen Ergebnisse der Präsidentschaftswahl im Iran "starke Unglaubwürdigkeiten" erkannt. Die vom iranischen Innenministerium herausgegebenen Daten setzten einen radikalen Wandel in den Wählerstrukturen voraus, erklärte die britische Denkfabrik Chatham House am Sonntag.
Nur ein "sehr unwahrscheinlicher" Wechsel von ehemals reformorientierten Wählern zu Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad könnte das gemeldete Wahlergebnis zu erklären.
Den gemeldeten Ergebnissen zufolge müssten 47,5 der Wähler, die beim letzten Urnengang vor vier Jahren Reformkandidaten unterstützten, jetzt für den konservativen Ahmadinedschad gestimmt haben. Dies sei "sehr unglaubwürdig", hieß es in einer Studie von Chatham House. In den konservativen Provinzen Masandaran und Jasd hätten den offiziellen Wahlergebnissen gar mehr als 100 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben.
Tote und Verletzte bei Demonstrationen
Im Iran haben auch am Wochenende wieder Tausende Menschen gegen das Wahlergebnis protestiert. Auch für Montag sind Demonstrationen von Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi angekündigt worden. Das Mullah-Regime erhöhte in den vergangenen Tagen den Druck: Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften sollen über zehn Menschen getötet worden sein. 100 Demonstranten wurden verletzt und 450 inhaftiert. Die Staatsmacht versucht weiterhin verzweifelt, die Proteste einzudämmen und hat mit der Abschottung der Medien zunehmend Erfolg. Ein kanadischer Journalist wurde festgenommen.
Starker Unterschied zu vergangenen Wahlen
Bei der Analyse aus Chatham House wurden auch die Wahlen der vergangenen Jahre zugrunde gelegt. Bei den letzten Wahlen in den Jahren 1997, 2001 und 2005 seien konservative Kandidaten und Ahmadinedschad bei der ländlichen Bevölkerung des Iran sehr unbeliebt gewesen, hieß es in der Studie. Dieses Jahr dagegen habe der Amtsinhaber laut offiziellen Ergebnissen auf dem Lande plötzlich besonders gut abgeschnitten.
Dieser angebliche Popularitätssprung liege in krassem Gegensatz zu früheren Trends. In zehn von 30 Provinzen hätte Ahmadinedschad den offiziellen Ergebnissen zufolge sämtliche Neuwähler, alle bisher konservativen Wähler sowie bis zu 44 Prozent der bisherigen reformorientierten Wähler auf seine Seite ziehen müssen.
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