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Rote Moschee: Anführer verschanzt sich mit Geiseln im Keller

zuletzt aktualisiert: 10.07.2007 - 13:30

Islamabad (RPO). Die Kämpfe um die Rote Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gehen weiter. Beim Sturm durch pakistanische Streitkräfte kamen 50 Radikale und acht Soldaten ums Leben. Eine Gruppe der Aufständischen ergaben sich. Ihr Anführer, Abdul Rashid Ghazi, verschanzt sich mit Frauen und Kindern als Geiseln im Keller der Moschee. 

Die Erstürmung sei der entscheidende Vorstoß, um die "bewaffneten Radikalen" vom Moscheegelände zu vertreiben, sagte Armeesprecher Waheed Arshad. Die pakistanischen Sicherheitskräfte hatten ihren Sturm auf die Moschee um 05.00 Uhr morgens (02.00 Uhr MESZ) begonnen. Bis zum Mittag erschütterten starke Explosionen und anhaltende Feuergefechte die Rote Moschee. Die Truppen seien von drei Seiten eingedrungen, aber die Islamisten leisteten einen "heftigen Widerstand" mit Maschinengewehren, Granaten und Raketenwerfern, erklärte der Armeesprecher.

Feuer in Koranschule für Mädchen

Dicke Rauchschwaden stiegen am Vormittag über dem Komplex auf, während dutzende Krankenwagen Verletzte ins Krankenhaus transportieren. Nach Augenzeugenberichten brannte auch eine Koranschule für Mädchen auf dem Moscheegelände. Die pakistanische Armee rechnete mit noch weiteren Todesopfern. Am Mittag hätten mehrere Islamisten von den Minaretten der Moschee auf die Soldaten gefeuert, sagte Arshad: "Drei oder vier Terroristen haben die Minarette besetzt. Sie verletzen die Heiligkeit der Moschee."

"Überall sind Leichen", berichtete Augenzeuge telefonisch aus dem Innern der Moschee. Er sprach vom Telefon des Imam Ghazi und berichtete von "wahllosem Töten". Eine der Toten sei die Mutter Ghazis; sie sei am Qualm der Explosionen erstickt. Während einer kurzen Feuerpause ergaben sich nach Armeeangaben rund 50 Kämpfer und verließen die Moschee. Rund 60 Frauen und Kindern, darunter auch die Frau und die Tochter Ghazis, sei die Flucht aus dem umkämpften Gebäudekomplex gelungen.

Frauen und Kinder im Keller

Nach eigenen Angaben befreiten die pakistanischen Sicherheitskräfte bis zum Mittag drei Viertel des Moscheegeländes. "Frauen und Kinder sind nun im Keller, ebenso wie Ghazi", erklärte Arshad gegen Mittag. "Wir machen wiederholt Durchsagen in denen wir Ghazi sagen, dass ihm nichts passiert, wenn er sich ergibt", sagte er weiter.

Unklar war, wie viele Kämpfer und Zivilisten sich noch in der Moschee aufhielten. Die pakistanische Regierung sprach von rund hundert Islamisten und 300 bis 400 Frauen und Kindern, die von den Besatzern als Geiseln im Keller festgehalten und als menschliche Schutzschilde missbraucht würden.

Freies Geleit gefordert

Kurz vor dem Sturm auf die Moschee waren mehrtägige Verhandlungen mit den Besatzern gescheitert. Regierungsvertreter sagten, der Imam habe sich geweigert, mutmaßliche Geiseln frei zu lassen und freies Geleit für "Ausländer" gefordert. Ghazi warf der Regierung unmittelbar nach Beginn der Offensive "Völkermord" vor. "Ich bezweifle, dass die Regierung jemals vorhatte, die Krise beizulegen", sagte er dem privaten Fernsehsender Geo telefonisch: "Diese Leute wollen nichts anderes als einen Völkermord."

Er habe sein Möglichstes getan, um die Forderungen der Regierung bei den Verhandlungen zu erfüllen. Pakistanische Behörden hatten am Sonntag erklärt, Ghazi habe die Kontrolle über die Moschee verloren. Stattdessen hätten militante Extremisten die Macht auf dem Gelände übernommen.

Die Moschee war seit einer Woche von Sicherheitskräften umstellt, die den Belagerungsring immer enger gezogen hatten. Seit Beginn der Belagerung waren bereits 1200 Frauen und Männer aus dem Gebäude geflohen.

Quelle: afp

 
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