Nach Gewalt in den Palästinensergebieten: Annäherung: Fatah und Hamas verhandeln
zuletzt aktualisiert: 14.06.2006 - 06:22Gaza (rpo). Im Machtkampf der Palästinenser bewegen sich die beiden rivalisierenden Lager Fatah und Hamas aufeinander zu. Am Mittwoch wollen sie nach einer Lösung für strittige Fragen suchen, sagte Palästinenserpräsident und Fatah-Chef Mahmud Abbas. Er deutete an, auf das von der Hamas abgelehnte Referendum über eine Zwei-Staaten-Lösung mit Israel verzichten zu können. Die Kämpfe zwischen den Anhängern beider Lager gehen indes weiter.
Im Gazastreifen haben bewaffnete Mitglieder der Hamas einen Kommandeur der rivalisierenden Fatah überfallen und verletzt. Er wurde von sieben Schüssen in die Beine getroffen, verlautete aus Kreisen der palästinensischen Sicherheitskräfte.
Außerdem haben dutzende palästinensische Demonstranten das Parlamentsgebäude in Ramallah gestürmt und den Parlamentspräsidenten zur Flucht gezwungen. Abgeordnete der regierenden Hamas-Bewegung wurden tätlich angegriffen. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Autonomiebehörde forderten die Zahlung ausstehender Gehälter. Die Hamas-Regierung konnte seit ihrer Machtübernahme vor mehr als drei Monaten wegen des internationalen Finanzboykotts keine Gehälter mehr zahlen.
Grundlage der Verhandlungen zwischen Fatah und Hamas ist laut Abbas die so genannte Gefangeneninitiative, die die Schaffung eines palästinensischen Staates in Koexistenz mit Israel vorsieht. Am 26. Juli will Abbas die Palästinenser nach bisheriger Planung gegen den Willen der Hamas-geführten Regierung über den Entwurf abstimmen lassen. Eine Einigung bei den auf eine Woche angesetzten Gesprächen könnte die Volksabstimmung überflüssig machen, sagte Abbas: "Das Referendum ist immer noch eine Möglichkeit, aber unsere Priorität ist eine Verhandlungslösung." Den Auftakt der Verhandlungsrunde solle ein Gespräch unter vier Augen zwischen Abbas und Hanija bilden, sagte ein Präsidentensprecher.
Weitere Teilnehmer der Beratungen am Dienstagabend zeigten sich vorsichtig optimistisch. "Wir sind uns einig, dass der Dialog erfolgreich verlaufen soll, und wir werden für dieses Ziel arbeiten", sagte Chaled el Batsch vom Islamischen Dschihad. Der Chef der Hamas-Delegation, Chalil el Hijja, sprach sich für ein "nationales Abkommen" der beiden Lager aus. "Unser eigentlicher Widerstand richtet sich gegen die Besatzung und nicht gegeneinander. " In den vergangenen Tagen war es zu schweren Zusammenstößen zwischen Anhängern beider Gruppierungen gekommen.
Die israelische Regierung wies unterdessen förmlich jede Verantwortung für den Tod von acht Zivilisten an einem Strand in Gaza am Freitagabend zurück. Es gebe "genügend Beweise" für die Unhaltbarkeit der Behauptung, Israel trage Schuld an dem Vorfall, sagte Verteidigungsminister Amir Perez während der Präsentation der Ergebnisse einer Armeeuntersuchung. Stabschef Dan Halutz sagte: "Unser Bedauern bleibt bestehen, aber wir tragen keine Verantwortung."
Der Leiter des Untersuchungsausschusses, General Meir Kalifi, gab an, bei dem israelischen Beschuss am Freitagabend hätten alle Granaten ihr Ziel getroffen. Über jede abgeschossene Granate lägen "detaillierte Aufzeichnungen" vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass eines der Geschosse die Zivilisten getroffen habe, liege "nahe null". Bilder vom Tatort legen nach Kalifis Worten die Vermutung nahe, dass dort eine Mine oder eine Bombe, nicht aber eine israelische Granate explodiert sei. Nach dem Tod der Zivilisten - unter ihnen eine Familie mit drei Kindern - war die Gewalt zwischen Israelis und palästinensischen Extremisten erneut eskaliert.
UN-Generalsekretär Kofi Annan ließ in New York Zweifel an der offiziellen Darstellung Israels erkennen. "Dass an einem Strand eine Mine gelegen haben soll, ist ziemlich seltsam", sagte er auf eine Journalistenfrage. Ein Hamas-Sprecher widersprach der israelischen Version des Falls: "Israel drückt sich vor der Verantwortung", sagte er. Niemand würde an einem Strand eine Bombe legen.
Bei einem Einsatz in Dschenin im Westjordanland erschossen israelische Soldaten einen gesuchten Extremisten. Der 22 Jahre alte Mohammed el Wahsch von den El-Aksa-Märtyrer-Brigaden sei in einem Krankenhaus von den Soldaten aufgespürt worden, hieß es auf palästinenischer Seite. In einem Feuergefecht sei Wahsch gestorben. Dutzende israelische Armee-Jeeps hätten das Krankenhaus umstellt. Eine israelische Armeesprecherin bestätigte, dass der Aktivist erschossen worden sei.
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