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Anschlag in Istanbul
Was bisher über Täter und Opfer bekannt ist

Anschlag 2017 in Istanbul: Was bisher über Täter und Opfer bekannt ist
Die Bürger von Istanbul trauern und legen rote Nelken am Anschlagsort nieder. FOTO: dpa, LP kno
Istanbul. Auf den Istanbuler Szene-Club "Reina" ist am Neujahrstag ein Anschlag verübt worden. Obwohl 17.000 Polizisten im Einsatz waren, um die Silvesterfeiern zu schützen, konnte das Massaker nicht verhindert werden. 39 Menschen starben, 65 wurden verletzt. Hier sind die Fakten.

Art des Anschlags

Der Attentäter erschoss nach offiziellen Angaben um 1.15 Uhr einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang zu dem Club. Dann schoss er im Club wahllos um sich. In dem auf der europäischen Seite von Istanbul gelegenen Club mit mehreren Restaurants und Tanzflächen befanden sich zur Silvesterfeier bis zu 800 Menschen.

Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete, der Attentäter sei als Weihnachtsmann verkleidet in den Club eingedrungen. Dem widersprach Regierungschef Binali Yildirim. Innenminister Süleyman Soylu sagte, der Angreifer habe seine Waffe unter einem Mantel verborgen - und habe den Club in anderer Kleidung verlassen. Laut türkischen Fernsehberichten verwendet die türkische Polizei ihrerseits Weihnachtsmann-Gewänder für manche Polizisten als Tarnkleidung.

Ort des Anschlags

Der angesagte Club "Reina" liegt im Stadtteil Ortaköy unterhalb einer großen Bosporus-Brücke im europäischen Teil Istanbuls. Dieser Club ist bekannt für seine exklusiven Ansprüche und wird üblicherweise von Türstehern abgeschirmt, die nur ausgesprochen gut gekleidete Gäste einlassen.

Nach dem Anschlag waren zutiefst schockierte Partygänger zu sehen, die den Ort des Massakers verließen. Die Männer trugen Anzüge, die Frauen Cocktail-Kleider. Da der Club direkt am Bosporus liegt, ergriffen etliche Partygäste die Flucht, indem sie unmittelbar ins kalte Wasser sprangen.

Club-Besitzer Mehmet Kocarslan zeigte sich erschüttert, dass trotz der verschärften Sicherheitsmaßnahmen der Polizei wegen der Angst vor Anschlägen in dem Bezirk das Attentat nicht verhindert werden konnte: "Unser Herz blutet", schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

Fotos: Istanbul unter Schock nach Anschlag auf Nachtclub FOTO: rtr, UB/KV

Die Opfer

Innenminister Soylu sprach von 39 Toten und 65 Verletzten, die im Krankenhaus behandelt wurden. Vier Verletzte schwebten in Lebensgefahr. Bis zu 25 Todesopfer kamen aus dem Ausland, die meisten von ihnen aus arabischen Staaten. Laut der Regierung in Tunis wurden auch eine Franko-Tunesierin und ihr tunesischer Mann getötet.

Das Außenministerium in Brüssel gab an, einer der Toten habe die belgische und türkische Staatsangehörigkeit gehabt. Auch eine Kanadierin, eine Israelin und zwei Inder sind nach Angaben ihrer Regierungen unter den Opfern.

Der Kontext

Die Türkei wurde 2016 von einer dichten Folge von Anschlägen erschüttert. Vor allem in Istanbul und der Hauptstadt Ankara wurden weit mehr als 200 Menschen getötet. Dazu zählten Anschläge auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen, auf einen Militärkonvoi in Ankara und auf eine Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep im Südosten des Landes. Verantwortlich für die Attentate waren meist die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder die radikale Kurdengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Für den Anschlag auf den "Club" Reina gab es zunächst keine Bekennernachrichten.

Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, bei der Eröffnung einer Kunstausstellung in Ankara erschossen. Der Täter war ein junger Polizist, der laut türkischer Regierung mit der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen in Verbindung stand. Ankara macht den im US-Exil lebenden Gülen auch für den gescheiterten Militärputsch vom Juli verantwortlich.

Die Reaktionen

Weltweit wurde das Attentat scharf verurteilt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach in einem Beileidschreiben an Erdogan von einem "menschenverachtenden und hinterhältigen Anschlag".

Auch Bundespräsident Joachim Gauck äußerte "Trauer und Entsetzen" über die "perfide Tat". Papst Franziskus verurteilte in seinen Neujahrswünschen die Gewalt in Istanbul.

(mro/vek/AFP)
 
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