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Tweet nach Anschlag in Barcelona
Trump sorgt mit bizarrer Kriegslegende für Empörung

Anschlag in Barcelona: Trump twittert Legende über General Pershing
Erst Charlottesville, jetzt Barcelona - Donald Trump irritiert erneut mit seiner Reaktion auf einen Anschlag. FOTO: rtr, JRB/TB
Washington. Nach seinen umstrittenen Reaktionen auf die Bluttat von Charlottesville hat Donald Trump mit einem Tweet zum Terroranschlag in Barcelona erneut weltweit für Empörung gesorgt. In seinem Beitrag bezieht sich der US-Präsident auf eine brutale, historisch umstrittene Kriegslegende. 

Nach der Terrorattacke in Barcelona mit mehreren Toten und vielen Verletzten setzte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag folgenden Tweet ab: "Studiert, was General Pershing aus den Vereinigten Staaten mit gefangen genommenen Terroristen machte. Da war 35 Jahre kein radikalislamischer Terror mehr!"

Trump verwies in seinem Tweet auf keine spezielle Taktik des US-Generals, um Terrorismus zu bekämpfen. Doch während seines Wahlkampfes im vergangenen Jahr berichtete Trump von einem nahezu allseits abgelehnten Vorgehen, das Pershing zugeschrieben wird: Der General, der während des Ersten Weltkriegs bekannt wurde, soll mit einem Aufstand der Moro, einer muslimischen Bevölkerungsgruppe auf den Philippinen, konfrontiert worden sein, den er bis Juni 1913 weitgehend niederschlug. Dabei wurden angeblich rund 500 Moro-Kämpfer getötet.

General John "Black Jack" Pershing war ein Befehlshaber der US-Armee und zwischen 1909 und 1913 Gouverneur der südlichen Philippinen. FOTO: dpa, JDA gfh

Er soll weitere Aufstände verhindert haben, indem er befahl, auf muslimische Rebellen mit in Schweineblut getränkten Kugeln zu schießen. Das Schwein gilt im Islam als unreines Tier. Die Geschichte über Pershing wurde von Historikern als unbegründet oder übertrieben bezeichnet. Politifact, eine Organisation, die Aussagen von Politikern überprüft, wertete Trumps Behauptung über Pershing als falsch.

Trumps Bezug unklar

Einige kritische Kommentatoren erklärten, Trump habe mit seinem Tweet die Geschichte über die in Schweineblut getränkten Kugeln wieder aufgegriffen. Explizit erwähnt wird sie jedoch nicht. Daher könne Trump sich möglicherweise auch auf Bestattungsmethoden in Pershings Memoiren berufen.

Pershing schrieb nach Angaben von Politifact in seinen Memoiren von einem Fall eines anderen US-Befehlshabers auf den Philippinen, der mindestens einmal die Leichen muslimischer Rebellen mit toten Schweinen als Warnung begraben lassen haben soll.

In jedem Fall wird jedoch Trumps Behauptung, dass Pershings Umgang mit den Muslimen der Hauptgrund für ein Ende des Aufstands war, nicht von historischen Fakten unterstützt.

(mro/ap)
 
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